2003: Vortrag zum Park des Hofes Glashagen

Gutspark Glashagen – Informationen 02/00; Fläche ca 1 ha

Diplomarbeit 2003 verteidigt bei UNI Rostock. –Der Park gehört zu dem Zeitpunkt noch der Stadt Bad Doberan. — Eine Studentin des Institut für Landschaftsplanung der Uni Rostock (Conny Glause ??) hält im Rahmen eines Umwelttages 2003 in Retschow einen Vortrag. Zusammenhang: „Konzeption für den Gutspark“. Aussage : Gesamt ca 1200 derartige Parks in Mecklenburg , sehr viele verwildert. Das Glashäger Gutshaus entsteht ca. 1829 bis 1831. Gutsanlage mit Gutshaus und Garten wird dem Amtshauptmann Hundt zugeschrieben. Amtshauptmann ist der oberste vom Großherzog eingesetzte Beamte eines Amtes (hier Doberan). Er ist gleichzeitig höchster Baubeamter.

Bestand: Eschen, Bergahorn, Ulmen erkrankt sog. „Ulmensterben“, div. junge Gehölze als Wildwuchs. Markante Bäume sind eine große Linde, zwei Stieleichen eine Lärchengruppe, einige Eiben, zwei Roßkastanien. Das Gebiet der Zuwegung zum Quellental von der Kreisstraße Schwarzer Weg kommend ist auch als Weinanbaugebiet der Mönche überliefert. In der Auflistung der Flunamen für den Hof Glashaben unter Nr. 4. und 5..Die Gaststätte Quellental wird von den ältesten Glashägern als Winkeller (Weinkeller) bezeichnet.

2013er Vorschläge zur zeitnahen Behandlung des Parks.

Insgesamt die Sichtachse wieder herstellen.

Die Bäume freischneiden. Den Japanknöterich, Holunder und Weißdorn entfernen.

Das seltene Aronstabblatt ist sowohl im Parkgebiet als auch im Bereich der Zuwegung zum Quellental bei der Obstplantage und um den Tempel Quellgebäude und das Tal herum zu finden. (Ungiftig, stark calziumhaltig, durchdringender unangenehmer Duft). Es steht unter Naturschutz.

Artikel aktualisiert am 26.08.2020

1945 Bodenreform /Enteignungen

Die Bodenreform von 1945 stand am Anfang der Neuordnung der landwirtschaftlichen Eigentumsverhältnisse nach dem 2. Weltkrieg in Ostdeutschland. Unter der Losung „Junkerland in Bauernhand“ wurde privater Großgrundbesitz über 100 Hektar enteignet. Das Gutshaus und etwa 200 ha Land des Hofes Glashagen befanden sich seit 1921 im Besitz von Otto Kuntze. Wie überall in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone wurde auch auch hier in Glashagen sein enteigneter Besitz an Neubauern vergeben. Die Empfänger des Ackerlandes erhielten 4 ha bis 8 ha. Die Enteigneten wurden mit einem Aufenthaltverbot belegt, das weit über die Grenzen ihres ehemaligen Besitzes hinaus ging. Im damaligen Selbstverständnis wurde der Befehl allgemein gern befolgt und das Land den Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten aber auch hiesig ansässigen Büdnern und bis dahin besitzlosen Landarbeitern übergeben. Maschinen für die bis dahin großräumig bewirtschaften Flächen waren überwiegend beschlagnahmt worden, man setzte auf Ochsen und Pferdekraft gegenseitige Hilfe und vor allem Eigeninitiative.

Die Bodenreform und Bildung der ersten LPG

(Landwirtschaftliche Produktions Genossenschaften)

Die Bestrebung der ländlichen Bevölkerung Land, Eigentum und Selbständigkeit zu geben liegen über zwei Jahrhunderte zurück […]. Erinnert sei an die ersten Büdneransiedlungen 1753 und nachfolgende Landvergaben oder z. B. die Siedleransetzungen nach 1919. Mit der Einführung der Gemeindeordnung 1869 verfügte das Dorf über sogenannten Einliegeracker und weiteres Gemeindeland ausschließlich bestimmt für die „landlosen“ Dorfbewohner. Dieser Acker wurde in mehrjährigen Perioden in Kaveln (Abschnitte kleiner als 200 Ruthen) verpachtet. Diese Flächen dienten der reinen Ernährung der Familien der Siedler und Mietbewohner. Wie an anderer Stelle erwähnt hatte sich die Dorfbevölkerung von Glashagen unmittelbar nach Kriegsende 1945 auf das Doppelte erweitert, alle suchten nach einer neuen Lebenslage und Existenz.

In unserer Gemeinde standen aus der Enteignung des Gutshofes gute 220 Hektar zur Aufsiedlung zur Verfügung, die zur Bildung von 12 Neubauernstellen genutzt wurden. Entsprechender Wirtschafts-und Wohnraum dazu mußte aus dem Wenigen vorhandenen geschaffen werden. Alle alle Gebäude des Hofes Glashagen wurden einbezogen. Mehrere Familien erhielten direkt im Gutshaus und in den Katen des Ausbaus Unterkunft. Einige Familien fanden durch Um-und ausbau der größten Stalles eine Bleibe.

Es waren die Familien Wachholz, Steinke,Chlupka, Mileschko, Boseck, Schleiff, Nevermann, Klinkmann, Noll, Rampf, Bartz und Pirnack, die mit der Übernahme von jeweils ca. 8 ha den Neuanfang wagten. Man muß dazusagen daß einige vorher keine Bauern gewesen waren.

Einigen vorher schon in Glashagen als Büdner oder Siedler arbeitenden übergab man etwa 4 ha Bodenreformland zur Ergänzung und Gleichstellung mit den Neusiedlern.

Professor Gierke dazu: Ein Neubauernprogramm sorgte durch günstige Kredite, bevorzugtes Errichten von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und nicht zuletzt durch die angemessene Pflichtablieferung ihrer Produkte an den Staat für eien beschleunigeten Aufbau ihrer- und Lebensgrundlage.

Wesentlich ungünstiger hatten es jedoch die Bauernhöfe mit über 20 Hektar, die gerade durch eine überhöhte Pflichtablieferung in eine ganz verzweifelte wirtschaftliche Lage gerieten. Oft sahen sie keinen anderen Ausweg mehr, als in den 50er Jahren gen Westen in die Bundesrepublik zu gehen, wie z.B. die beiden Bauern Griese (Hufe III und Breide Hufe II) […].

Im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen 1989/90 erhielten beide Familien ihr Eigentum zurück. Familie Breide bewirtschaftet ihre auf Glashäger Feldmark von Allershagen aus. Familie Griese hat ihre Flächen an Familie Breide verpachtet.

1945/46 Gutsinspektor

Auf dem Hof I Glashagen ist der Bauer Martin Eimterbäumer im Januar 1946 verstorben. Carl Köpke bis dahin Gutinspektor auf dem Hof Glashagen, übernimmt die Bewirtschaftung des Hofes I bis zur LPG – Bildung 1953. Die Witwe Eimterbäumer verläßt mit ihren Kindern 1947 Glashagen in Richtung Herfort. Siehe auch Kapitel Hof I.

1936 Hof und Dorf zusammen

1933 hatte die Nationalsozialistische Partei Deutschlands die Macht ergriffen und die gesamte Gesellschaft verändert. Die Verwaltung war umfassend von ihrer Ideologie beherrscht. Folgerichtig wurden die Strukturen der ländlichen Verwaltung allenthalben gestrafft und jegliche Einflußnahme der auf den Gütern bis dahin regierenden Besitzer unterdrückt.

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1919: Bürgermeisterwahl

Auszug aus dem Protokollbuch 1872 bis 1941

1919 trat eine neue demokratische Verfassung in Kraft, Mecklenburg- Schwerin wurde Freistaat. Es kam zur Einführung des ersten deutschen Verhältniswahl-Gesetzes. Ein neuer Landtag und die Erneuerung der Form ländlicher Verwaltung folgten. Die Zeit der Herzöge und Großherzöge war vorbei. Wahlen waren angesagt. Die Wahl betreffend traten zwei entscheidende Neuerungen in Kraft, die die Machtverhältnisse im Dorf Glashagen auf den Kopf stellen sollten: 1. Frauen dürfen erstmals wählen und das allgemeine 2. das Wahlalter wird von 25 Jahren auf 20 Jahre herabgesetzt. Damit waren größere Wählerzahlen entstanden.

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1912 Gutshofpächter Baller

Zeitzeugin Erika Westendorf:

In meiner Jugend war der Besitzer ein Baller. Er hatte mit der ersten Frau 6 Mädchen. Bei der Geburt des 6. Kindes starb sie im Moorbad, damals auch Krankenhaus. Gleichzeitig starb dort auch die Gemahlin des Herzog Adolf-Friedrich von Mecklenburg. Es muss Anfang der 20-ziger gewesen sein. [PS. Es war am 18.12 1918; sie hieß Victoria Feodora Reuß lt. Wikipedia.] Ballers zweite Frau bekam dann nur Jungens, 6 an der Zahl, sie beschäftigten damals auf dem Gut zwei Mädchen, die nur mit der Kinderwäsche beschäftigt waren. [33]

Karl Baller wird das Erlegen eines starken Hirsches, eines Zwanzigenders im Oktober 1919 zugeschrieben. (Siehe Skizze) [09]

Artikel aktualisiert am 17.02.2020

1906 Erschließung Quellental

Die Kunst, mit der Wünschelrute Quellen zu entdecken, ist alt. Lange wurde sie bezweifelt und bestritten, erst neuerdings hat die Wissenschaft sie anerkannt, unter anderem deshalb, weil sich im Weltkriege (hier gemeint der erste Weltkrieg 1914 bis 1918) die Brauchbarkeit der Wünschelrute bei der Feststellung von Wasserläufen gezeigt hat.

Der Rutengänger benutzte Hasel- oder Weidenruten, Drahtgabeln, Aluminium usw … Es gibt auch natürliche Wünschelruten, das heißt merkwürdig gebogene Bäume, die eben durch ihre ungewöhnliche Gestalt, auf das Vorhandensein eines Wasserlaufes bzw. einer Quelle hinweisen.

Wir können von einem Fall berichten, da die Entdeckung einer Heilquelle solchen Wünschelruten zu verdanken ist. In dem vom Goldbach durchflossenen Weinkellertal am Teufelsberg, auf dem Gute Glashagen in Mecklenburg bei Doberan, einer ausgesprochenen Moränelandschaft, gibt es Bäume die alle nach der gleichen Richtung abgebogen sind. Dieser Umstand gab Veranlassung zu Bohrungen. Man fand zwei vorzügliche Mineralwässer, von denen das eine ein Tafelwasser, das andere ein Heilwasser ist.

Artesischer Ursprung liegt bei beiden Quellen vor. Im ganzen weist das Tal über 60 eisenhaltige mineralisierte Quellen auf. Die Analyse der Heilquelle hat hohen Gehalt an Kieselsäure oder Silizium (H2,Si O3) ergeben, ein lebenswichtiger Stoff; sie ist Akkumulator und Isolator für Eigenelektrizität und Lebenskraft. Der Gehalt an Kieselsäure bestimmt mit die Schutz und Heilkraft des Blutes sowie die stärkere oder schwächere Phagozytose Verzehrung (Verzehrung von Fremd-und Krankheitsstoffen durch Freßzellen).
[Quelle: „Die Wünachelrute 1928“] [53]

Soweit ein unterhalsamer zeitgenössischer Ausflug zu dem Thema mit gewagten Details, die auch jetzt, fast 100 Jahre später noch „verkauft“ werden könnten. Lt. Wikipedia gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis über das Aufspüren von unterirdischen Quellen oder Wasserläufen mittels einer Wünscheltute. Gleichzeitig schwören auch heute noch eigentlich alle Brunnenbauer auf diese Methode!

Wappen der Familie von Blücher, es hat anfänglich als Markenzeichen für das abgefüllte Quellwasser gedient.

1906 erwarb Hans von Blücher das Quellental und begann mit der Erschließung und Wirtschaftlichen Nutzung des Mineralwassers von dort.

Zeitzeugin Erika Westendorf: [33]

Blücher ließ im Quellental bohren. Aufmerksam geworden durch schlanke Bäume, die sich mit den Kronen zur Erde neigten. (Wünschelruten). Als Arbeiter vom Gut waren tätig: Carl Reincke, später im Werk Doberan tätig als Vorarbeiter, und Otto Krohn, später Büdner in Stülow (Büdnerei V , wo heute Timm wohnt). Das Wasser erwies sich als stark Siliziumhaltig . ( Kieselsäure) Über 100 Quellen wurden im Brunnenhäuschen gesammelt und in zwei Leitungen mit natürlichem Gefälle nach Doberan geleitet ( Keramik und Kupfer ). Von der Kupferleitung will die Glashäger heute nichts wissen. Heute kommt das Wasser aus Tiefbrunnen eines angekauften Areals von Hohenfelde.

Einige weitere Erläuterungen findet man in einer wissenschaftlichen Schrift zur Untersuchung des Bäderwesens und die Entwicklung im medizinisch vorbeugenden und touristischen Bereich erschienen ca 2004:

Zur Geschichte der Glashäger Silicium-Heilquelle

Im Jahre 1906 wurden vom damaligen Besitzer des Gutes Glashaden bei Doberan Bohrungen ausgeführt, welche eine neue Mineralquelle zu Tage förderten. Das Wasser wurde vom Geheimen Regierungsrat Professor Dr. H. Fresenius-Wiesbaden untersucht. Man verglich das mecklenburgische Quellwasser in seiner Zusammensetzung mit Quellwasser aus südlicheren Gefilden und befand, dass es sich in der „Welt“ sehen lassen kann.

Das Wasser der Glashäger Mineralquelle wurde von Glashagen nach Doberan geleitet, wo selbst die inzwischen gegründete Gesellschaft Mineralquelle Glashagen GmbH zu Doberan eine mit den modernsten Maschinen eingerichtete Abfüllstation am Bahnhof Doberan errichtete.

Im Jahre 1910 wurde Glashäger vom Kaiserlichen Patentamt zum Markenzeichen erhoben, damit war der Grundstein der Entwicklung zum Markenartikel gelegt. Im Jahre 1939 erwirbt die Firma Geroldsteiner die Glashäger Mineralquellen, wird jedoch 1946 von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet. Im Jahre 1950 erfolgt eine zweite Enteignung durch die DDR- Regierung. Als Mitglied der Rostocker Brauerei füllte der Mineralbrunnen jedoch weiter Mineralwasser ab und entwickelte sich nach dem Margon- Brunnen zum zweitgrößten Brunnenbetrieb der DDR. Im Jahre 1990 kaufte die Firma Gerolsteiener den Glashäger Brunnen wieder zurück. Seit dem Jahr 2oo3 gehört der Brunnen zur Brau und Brunnen AG. Dank umfangreicher Investitionen ist Glashäger heute die bedeutendste Mineralwasser-Marke in Mecklenburg- Vorpommern und mit einem Absatz von 500 000 Hektolitern an Mineralwasser und Erfrischungsgetränken Marktführer in unserem Bundesland.

Der Glashäger Quellentempel, errichtet am Ort der Ursprungsquelle erinnert noch heute an die Anfänge des Glashäger Brunnens. Stetig steigende Füllmengen machten jedoch die Erschließung neuer Quellen notwendig, die im Umkreis von drei bis 4 Kilometern in 80 Meter Tiefe im Glashäger Quellental liegen.

Diese architektonisch auffällige Quellgebäude ist in leicht zurückgebauter Form immer noch einen Ausflug wert, liegt es doch inmitten einer sehenswerten Naturlandschaft an einem oberirdischen Quellbach umgeben von einem alten urwüchsigen Baumbestand als Bestandteil des Naturschutzgebietes.

Artikel aktualisiert am 16.09.2020

Vermessung der Dorffeldmark Glashagen

Frühe Ortsvermessungen 1752

Interessant für uns ist eine so bezeichnete H o f f m a n n s c h e Vermeßungs-Charte de anno 1752. Aus ihr wird das erste Feldregister der Glashäger Feldmark extrahiert, aus dem die Bewirtschaftung der 3 Huefen des Dorfes bestimmt werden kann. Die ersten Pachtverträge von 1793 fußen ebenfalls auf diesem Register:

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1845 Dreierhof

Es war nicht unüblich, daß gerade bei den großen Höfen im Pachtgeschäft ein zahlungskräftiger Pächter mehrere Höfe an sich brachte und diese dann unterverpachtete oder mit einem Inspektor besetzte. An der öffentlichen meistbietenden Verpachtung nahmen längst auch Geldleute aus den Städten mit Spekulationsabsichten auf die Erlangung möglichst hoher Renditen orientiert, teil. Es ist vorstellbar, daß besonders in solchen Fällen die Anforderungen an das Hofpersonal entsprechend hart waren, weil entsprechendes Fachwissen fehlte und die Gewinnorientierung des „Besitzers“ alleiniges Regime hatte. In einer Pachtperiode waren die Höfe Althof, Glashagen und Teutenwinkel zusammen an einen Rostocker verpachtet worden.

1828 Erbpachthof

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts läßt sich besonders unter den großen Höfen eine merkliche Zunahme der Erbpachtstellen im Gebiet des Amtes Doberan verzeichnen. In diesem Fall sind die Höfe Fulgen und Glashagen im gleichen Jahr 1828 vererbpachtet worden. Die Vererbpachtung erfolgt aus einer Hofmeierei. [37] und [42]

Gut dazu paßt eine Passage des Chronisten Karl Baumgarten, in der er berichtet, daß der Pächter von Hof Glashagen Herr von Blücher behauptet, daß der jetzige Hof im Jahre 1827 errichtet sei. Zu diesem Zeitpunkt sei der Acker von 3 Stellen zusammengelegt worden und zwar handelt es sich um folgende Stellen: Eine Waacksche Stelle, eine Plüggesche Stelle und die alte „Meierei„, die Pertinenz von Althof. [09] Eigene Ergänzung: Meiereien wurden durch landesherrliche Beamte und Administratoren verwaltet, ihre Einkünfte gingen direkt an die fürstliche Kasse. Vergl. Amtsordnungen 1583 und 1660!

Althof war der Haupthof auf dem die Bauern von Dorf Glashagen und weiteren 6 Dörfern, nämlich Parkentin, Sievershagen, Allershagen, Schutow sowie Hohenfelde und Bargeshagen teilweise, bis in die 1750er Jahre Dienstpflicht leisten mußten. Danach wurden diese Höfe ohne Dienste meistbietend verpachtet. [04]

1801 Sammelholz

Solche Klarstellungen in aller Öffentlichkeit (hier handelt es sich immerhin um ein Gesetzblatt) kamen nur in seltenen Fällen vor. Es lohnt sich genau hinzuschauen: Der Herzog Friedrich Franz belehrt den Oberforstmeister Behr zu Doberan dass unter dem Deputatholz unseres Amthauptmannes Wachenhusen (im Pachtvertrag festgelegt) Knüppelholz und nicht Reisigholz zu verstehen ist. Was mag vorausgegangen sein wenn man für so eine Richtigstellung zwischen den beiden ranghöchsten Beamten des Amtes Doberan einen Herzog als Schiedsrichter bemühen muß?

1794 Schmiede

Durch den Landesgrundgesetzlichen Erbvergleich von 1755, § 259 waren nur wenige Handwerker auf dem Lande zugelassen, zu denen der Grobschmied mit einem Gesellen gehörte. Schon 1787 heißt es in einem weiteren Gesetz: „Auf eingegangene Beschwerde wegen Überschreitung des § 259 des Landesgrundgesetzlichen Erbvergleichs, nach welchem den Grobschmieden auf dem Lande ausdrücklich nur erlaubt ist,einen Gesellen zu halten,“ wird das Halten eines zweiten nochmal verboten. Weiter wird verfügt, daß kein Lehrjunge erlaubt ist. Schmiedemeister vom Land durften nicht in der oder für die Stadt arbeiten. Offensichtlich war viel Arbeit vorhanden, die auf diese Weise in die Stadt gelenkt werden sollte. Auf Betreiben der dort herrschenden Zünfte war den Landschmieden auch nur die Reparatur der Eisenbeschläge der Wagenräder und der einfachen Ackergeräte erlaubt. So blieb hauptsächlich das Beschlagen der dorf-oder gutseigenen Arbeitpferde, nicht etwa anderweitiger aus dem Umfeld. Ein Mühlen- und Schmiedezwang teilte jedem Ort das verbindliche Nutzungsrecht einer bestimmten Schmiede zu und verhinderte so das Ausweichen auf eine andere Dorfschmiede. So sah Konkurrenzkampf im 18. Jahrhudert aus! Erst 1868 wurde durch den Erlass der allgemeinen Gewerbefreiheit diese strenge unter Strafe stehende Bestimmung aufgehoben. Wir wissen bisher nicht, welcher Schmiede das Dorf und Hof Glashagen verpflichtet waren. Die nächste Schmiede war mit Sicherheit in dem mittelalterlichen Verkehrsknotenpunkt Retschow aber auch Hohenfede und Reddelich hatten eine Schmiede. Auch die Schmiede von Alhof käme in Frage, weil dieser Hof viele Jahre die Hand- und Spanndienste der Glashäger Bauern beanspruchte.


1794 Wachenhusen

Johann Georg Wachenhusen ist Kammerdirektor im Innenministerium des Großherzogs und der Vater von Wilhelm Andreas Friedrich Wachenhusen desPächters von Glashagen Hof und Amtmann in Doberan.

Der Vater Johann Georg Wachenhusen geb.1708; gest.1773 ist höherer Regierungsbeamter in Schwerin und verfasst einen „Vorschlag zur gänzlichen Abschaffung der Leibeigenschaft 1750“ Bekanntlich ist die Leibeigenschaft in Mecklenburg erst 1820 durch Landtagsbeschluß abgeschafft worden. Immerhin wird mit diesem Vorschlag gegen das jahrhunderte alte Interesse und den Willen der herrschenden Ritter und Landschaft gehandelt. Es wird hier erwähnt weil es Rückschlüsse auf die fortschrittliche Gesinnung der Familie Wachenhusen zuläßt, die selbst zu den Herrschenden gehört.

Anmerkungen zum Amtsrat Wilhelm Andreas Friedrich Wachenhusen


Der Sohn von Johann Georg Wachenhusen, Wilhelm Andreas Friedrich Wachenhusen, geb. 1748 ; gest. 1821, ist in den Jahren 1793/94 Mitbegründer des Seebades Bad Doberan und als Amtshauptmann oberster Verantwortlicher für alle Bauangelegenheiten im Amtsbereich Doberan. Er ist Mitglied der vom Großherzog berufenen“ Badekommission“ (siehe unten ) , neben drei weiteren Repräsentanten entscheidend für Entwicklung und Ausbau Doberans und Heiligendamm als Seeheilbad und die baurechtliche Seite der  herzogliche  Residenzen zuständig . Er besitzt weitgehende Vollmachten z.B. die des Großherzogs zu uneingeschränkter Kontennutzung.

Die Badekommission

Vom Großherzog berufen in Badekommission: Amtshauptmann Wachenhusen in Doberan zusammen mit Hofrat Vogel; Amtssekretär Heukendorf und Kammerpräsident Dorne als Intendant. Aufgabe dieser Kommission ist die Beschleunigung und Sicherung der 1793 eröffneten Badesaison im Seebad Heiligendamm. Hofrat Dr. Vogel war Leibarzt des Großherzogs Initiator und wesentlicher Planer der Seebadidee.

Dr. Vogel gabt eine Art Bäderführer heraus, dem er voranstellte: Die Anstalt hat eine Badedirection die vermahlen aus den Herrn Amtshauptmann, Ersten Beamten in Doberan und mir (Gottlieb von Vogel) besteht und außerdem noch einen Oberaufseher, dessen wir uns in der Person des Herrn Cammeraufsehers von Flotow erfreuen. Das ist also die Behörde an die man sich in vorkommenden Fällen zu wenden hat. [52]

Geldbeschaffung für den Bau des Seebades Doberan

1793 „Friedrich Franz I schickt 1.000 mecklenburgische Soldaten nach Oranien (heute Niederlande) und erhält dafür von König Wilhelm V von Oranien 37.000 Silberdukaten pro Jahr zzgl. Entschädigungen bei Verwundung oder Fall.“

Der Herzog lässt diese Einnahmen in den Aufbau des ersten deutschen Seebades investieren und stellt sogleich die ersten 4250 Taler zur Verfügung. Er weist Amtshauptmann Wachenhusen an, alle Kosten aus der herzoglichen Schatulle zu bezahlen und er solle „keine andere Kasse molestieren“ = ( in Anspruch nehmen, belästigen). [20]

1779 Inoculation von Rindern

In Mecklenburg grassieren mehrere Rinderseuchen; die tödlichen Verluste haben existenzbedrohende Ausmaße, weil ganze Herden krepieren. Es ist daher ein außerordentliches allgemeines Interesse an der Eingrenzung oder sogar Beherrschung der Seuche vorhanden. Länderübergreifend werden verzweifelt tierärzliche Behandlungsformen gesucht. An einer für die damaligen Verhältnisse wohlorganisierten Versuchsreihe beteiligt sich der Pächter des Hofes Glashagen mit einigem Erfolg. Die Auswertung verschiedener Inoculationen erfolgt im Hannoverschen Magazin 1779
Auf Seite 2 unter Nr. 12 erklärt August Gottlieb Lübke als Pächter von Glashagen Hof, daß seine inoculierten Rinder zwischen die verseuchten gezogen sind und nicht angesteckt wurden. Als Zeugen treten der Amtmann Brüning und der Amtsschreiber Fulda auf.

Auf Seite 3 unter 1) wird die Gesamtzahl von 168 Rindern angegeben, 96 Rinder sind durchgeseucht, also erhalten geblieben und 72 Stück sind gestorben. Beachtlich ist nebenbei die Größe der Herde zur damaligen Zeit auf dem Hof Glashagen.

Im übrigen werden immer wieder aus verschiedenen Gründen die Rinder geimpft. Von einer sogenannten Durchimpfung ist in einem Sitzungsprotokoll der Gemeinde aus dem Dezember 1947 die Rede. Hier erhalten die Bauern Ernst Niemann und Ewald Klempke für Hilfestellung bei der Rinderimpfung im Dorf durch einen Veterinär für 18 Std pro Kopf 0.50 Mark pro Stunde.

1750 aus Pacht

Unter Intelligenz=Sachen : Spezifikation der auf Johannis 1750 aus der Pacht fallenden Herzoglichen Domainen=Stücke…Im Amte Doberan; ,…der Hof Altenhof, der Hof Glashagen… .
Dieses Blatt gehört zu einer Drucksache, wie sie zu der Zeit einem bestimmten Bevölkerungskreis öffentlich zugänglich waren. Weitere untersetzte Papiere enthielten dann den Versteigerungstermin und den Ort der Auktion(Versteigerung). Die Domanialhöfe wurden dazumal schon ohne Ansprüche an die Qualifikation des Erwerbers an den meistbietenden abgegeben. Häufig war er Fachmann also Landwirt, immer häufiger „Geldmann“. Wenn er beispielsweise ein Kaufmann aus Rostock war, setzte er einen Verwalter mit entsprechenden Kenntnissen ein.