Kirchspiel Steffenshagen

Vorbetrachtung

Der christliche Glaube hatte für unsere Vorfahren eine weitaus größere Bedeutung als für die Menschen heutzutage. Der Beschluß zur Verbindlichkeit des evangelischen Glaubens anstelle des katholischen in Mecklenburg wurde 1549 auf dem Landtag in Sternberg besiegelt. Es sind die amtlichen Bekenntnisse des neuen reformierten Glaubens: Der kleine Katechismus, die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis und das Heilige Sakrament der Taufe, die nun fortan die Basis bilden. Neue Gebete und Lieder fanden die evangelischen kirchlichen Handlungen Einzug in allen Gotteshäusern. Für die Gemeindeglieder waren es vor allem die ganz persönlichen Anlässe wie die Taufe, Konfirmation, Eheschließung, letztlich die Beisetzung. Eigentlich die großen Feiern im Leben und Tod jedes Menschen. Über viele hundert Jahre war es nun selbstverständlich geworden alle diese Anlässe feierlich im Kreise der Familie gemeinsam mit der Glaubensgemeinde und dem Prediger in der Kirche zu begehen. Zu den weiteren kirchlichen feierlichen Andachten gehörten die Beichte und das Heilige Abendmal und vor allem die Oster,- Pfingst- und Weihnachtfeiern .

Die jährlichen Feiern aus Anlaß des Erntedankes hatten und haben in ländlicher Gemeinde besonderen Wert. Die Verbindung einer guten Ernte mit dem Segen Gottes gehört zu den wenigen noch zeitgemäßen Zusammenhängen, die allgemein aktzeptiert werden. Auch die persönliche Hinwendung und Unterstützung besonders zu den schwächsten Gemeindegliedern, den Kranken und sozial schlechter Gestellten gehört, nach wie vor zu allgemein anerkannten Leistungen einer funktionierenden christlichen Gemeinde. Allgemein jedoch ist die Zahl der bekennenden und praktizierenden Christen leider schon sehr lange rückläufig und die Wahrnehmung kirchlicher Gottesdienste und Angebote geschieht nur noch durch einige wenige Kirchenglieder regelmäßig, durch andere sporadisch und durch Viele gar nicht mehr. An bestimmten Tagen allerdings ist der Besuch über das Fassungsvermögen des Kirchenraumes hinausgehend. So werden die jährlichen Weihnachtsandachten wegen des hohen Zuspruches manchmal an zwei Terminen, oft vor vollem Hause gefeiert. Vielfach wegen des feierlichen Erlebnisses, der schönen Kindheitserinnerung oder um der Kirche nicht ganz und gar den Rücken zu kehren.

Dabei hatte Kirche als Institution gerade auch in Person der jeweiligen Predigers (Pastoren) auf grund der Bürgernähe hier auf dem Lande besondere Bedeutung. Immerhin war seit den Anfängen bis in die 30-er Jahre des 20. Jahrhundert noch jeder christlich getauft. Zweifellos war es seit der Reformation das ewige christliche Verdienst der Kirche an der Bildung, indem sie die ersten einfachen Landschulen durch die Küster in Doppelfunktion als Lehrer betrieb. Bereits ab dem 17. Jahrhundert wurden die Kinder vordergründig an die Religion herangeführt und ihnen deshalb das Lesen beigebracht. Zweifellos eines der größten Verdienste, durchgeführt durch die Küster in einfachstenen Schulen. Wenngleich der vermittelte Unterricht ausnahmslos das Lesen des Gesangbuches und des Neuen Testamentes möglich machen sollte. Das allgemeine Bekenntnis zum Glauben und das Leben im Alltag mit dem Glauben und der regelmäßige Kirchgang waren immerhin mehrere Jahrhunderte fester Bestandteil und vielfach ein Bedürfnis des täglichen Lebens unserer Vorfahren

Gemeindebildung und Bau der Kirchen

Langjährig erklärtes Ziel und eigentlicher Zweck war die Christianisierung unseres bis dahin von Slawen/Wenden bewohnten Landes. Sie war die entscheidende Triebfeder der Entwicklung die nun in vielfätiger Form folgte. Das eroberte Land mußte besiedelt und die zu schaffenden Siedlungen mit christlich getauften seßhaften Menschen besetzt werden. Christliche Bauern und Handwerker von westlich der Elbe aus Deutschland, Friesland, Franken sowie dem Rheinland und Dänemark folgten dem Ruf des Zisterzienserklosters und siedelten im Gebiet auch und besonders im heutigen Amt Doberan.

In rascher Folge kam es zu neuen Dorfgründungen inmitten der vorhandenen slavischen Orte. Als 1192 dem Kloster das Gebiet am Doberbach bis zur Ostssee hin übergeben wurde, bestanden hier zwölf Dörfer mit wendischen Namen mit zunächst wendischen Bewohnern. Manche slavischen Ortnamen wurden späterhin im Zuge der Bevölkerungsvermischung teilweise geändert. Beispielsweise wurde bereits 1209 Ivendorf aus Domastiz und Dietrichshagen aus Bruze. Gleichzeitig gab es noch weiterhin rein wendische Dörfer. Der gemeisame Glaube war letzlich die Bedingung für das hauptsächlich friedliche Nebeneinander der beiden Kulturen. Verkünder des Glaubens waren die Mönche des nahen Klosters Doberan. Orte der Verkündung waren die Kirchen, so war der Kirchenbau zunächst ein Schwerpunkt des Wirkens der Mönche. Man setzte äußere Zeichen des Christentums mit den weithin sichtbaren Türmen der Kirchen als Künder der göttlichen Herrlichkeit und Herrschaft. So entstanden die Kirchen in Kröpelin, Parkentin, Rabenhorst und unsere Kirche in Steffenshagen in rascher Folge.

Am Anfang war es üblich eine kleine hölzerne Kapelle für die Andachten und vor allem Taufen der slavischen Bewohner zu bauen. So entstand später, im Jahr 1270, unter der Aufsicht der Mönche des Zisterzienserklosters, auch die Kirche in Steffenshagen. Hier, später zur Zeit der Backsteingotik, in einer bemerkenswert aufwändigen Gestaltung in einem relativ kleinen Dorf. Ein kleiner Friedhof, der noch heute genutzt wird, umschließt die Kirche und dient nur noch sehr wenigen Glashäger Familien als letzte Ruhestätte.

Die Mönche waren nicht nur die maßgeblichen Erbauer der Kirchen sondern auch die ersten Prediger. Der Bauplatz der Steffenshäger Kirche befindet sich, wie häufig auch anderenorts an einem erhöhten Platz innerhalb des relativ großen Straßendorfes, auf einer Kreuzung mit direkten Wegeanbindungen in alle vier Himmelsrichtungen. Sie führten seit Jahr und Tag direkt zu den Orschaften, die dem Kirchsprengel angehörten. Häufig wurden die Kirchen auf genau die Plätze gebaut, die den haidnischen Wenden als Kultstätten gedient hatten. Das hatte bewußt etwas symbolhaftes, wohl auch herschsüchtiges und mag oftmals den Zorn der vormaligen Anhänger haidnischen Glaubens geschürt haben. Es ist erwiesen, daß die Zerstörung des Sitzes des ersten Zisterzienserlosters und Tötung des Abtes und aller Mönche in Althof auf einen heiligen Platz auf den Groll der erzürnten Wenden zurückging. Gleichviel setzte sich, wie wir wissen überall der Siegeszug der Christianisierung fort.

Ansicht der Steffenshäger Kirche von 2009
Beschreibung der Bauweise der Kirche

Die Kirche ist eine der allerstattlichsten frühgotischen Backsteinbauten aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Nur ganz im Allgemeinen erinnert noch die Wuchtigkeit der Verhältnisse und Formen an den romanischen Stil. Die Einzelbildungen folgten bereits dem Gothischen Geschmack. Besonders anziehend ist das Bilderspiel in den gebrannten Formsteinen des Chors. Hier finden wir auf drei Aussenseiten von unten bis unter das Dach einen eigenartigen Schichtwechsel der Steine. Auf je drei Lagen gewöhnlicher Steine folgt ein breites horizentales Band von vorgeblendeten Platten, die in gepresstem Flachreliev verschiedene Thier-und Pflanzenbildungen enthalten. Löwen, Tiger, Panther, Greife bilden eins dieser Bänder, Weinranken ein anderes. Beide Bänder wechseln bis oben herauf herauf einander ab, im Ganzen ihrer zehn. Zugleich gibt es dabei einen Wechsel glasierter und nichtglasierter Steine. Besonders reizvoll ist das Formenspiel am Portal des Chors. Unglasierte und schwarzglasierte Steine, ein Kapitelband von den Bildern der zwölf Apostel und vorspringende Lilien im oberen Bogentheil der Laibung, die von einem vorgeschobenen und abgetreppten Mauerkern liegt, geben ein reizvolles Bild im welchen das treffliche Material der Ziegel bedeutend mitwirkt. Der im Osten glatt abschliessende einschiffige Chor mit seinem bedeutend langem Mittelschiff enthält kaum noch Anklänge an an die alte Zeit. Der neu aufgebaute Turm hat eine gewisse Zierlichkeit. Er besitzt nicht jene monumentale Wuchtigkeit, die den Poeler, Alt- Gaarzer, Neukircher Turm auszeichnet. An der Nordwand des Chors ist eine Sakristei angebaut.
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Besonders ist auch die sog. Priesterpforte an der Südseite des Chores. Auch hier wieder der Wechsel zwischen unlasierten und lasierten roten und schwarzen Formziegeln. Aus der spätromanischen Periode rührt die Kreuzigungsszene im Inneren der Kirche her. Das alte Taufbecken, mehrfach restauriert, ist angeblich älter als die Kirche. Die Kanzel und der Altar von 1440 mit seinen geheimnisvollen gut erhaltenen Heiligenfiguren sind neben einigen sehenswerten Grabplatten und dem Kruzifix solide Sehenswürdigkeiten. Die Bemühungen vieler Kirchen, duch eine Teilung des Innenraumes diesen vielfältiger nutzen zu können sind heir im besonderen Maße gelungen. Eine architktonisch und optisch gelungene Konstruktion stellt ein heizbarer Funktionalraum im Inneren der Kirche dar. Das Hamburger Architekturbüro Johannsen wurde dafür auf der KiBa Hannover (Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler) mit einem 1. Preis ausgezeichnet. Diese Kirche ist für viele Menschen unter der Zahl der norddeutschen Backsteinkirchen zu Recht eine ganz besondere.

Neben den anderen gehörten die Bewohner von Glashagen Dorf und Hof, wie wir glauben, seit jeher zum Kirchspiel Steffenshagen bereits seit Gründung der Kirchgemeinde im Jahr 1270.

1751 nutzte der damalige Pastor vom Kirchspiel Steffenshagen die Erstellung von Beichtkinderverzeichnissen um seine wirtschaftliche Situation darzustellen:

  1. Diese Pfarre kann sich rühmen des Patronats Sr. Herzogl. Durchl. unsers gnädigsten Landesherren.
  2. Der Prediger an diesem Ort ist Johann Christian Holstein, vociret Ao 1715.
  3. Die eingepfarrten Höfe und Dörfer sind folgende: als der Herzogl. Hof Vorder Bollhagen, Hinter Bollhagen und Glashaqen Der eingepfarrten Dörfer sind überhaupt 7ben:
    1. Das Herzogl. Dorf Ober und Nieder Steffenshagen. Ober Steffenshagen bestehet an jetzo aus 7 Vollhüfnem, 2 Cossaten, 2 Handwerkern, als einem Schneider und 1 Weberswitwen und einem Einlieger im Witwen-Hause.
      NB. Der Schmied ist mit zu den Cos säten gerechnet.
    2. Nieder Steffenshagen bestehet aus 6 Vollbauren, 2 Cossaten und 1 Weber, der Müller ist mit unter den Bauren zu zählen und Herzogl. Unterthan.
    3. Das Herzogl. Dorf Redlich, darin wohnen 7 Voll- und 3 Halb-Hüfner, 2 Weber und etl. Einlieger.
    4. Das Herzogl. Dorf Stülow. Darin sind 5 Vollbauren, 5 Cossaten, 1 Weber und etl. Dröscher. Ohnweit Stülow ist eine Mühle, die Badamihle genannt:
    5. Der Müller ist ein Freymann und heißt Sihmsen.
    6. Das Herzogl. Dorf Glashagen, darin wohnen 4 Vollbauren, ein Schäfer und 1 Dröscher.
    7. Das Herzogl. Dorf Wiffenbek, darin 5 Vollbauren, 1 Rademacher und Einlieger.
    8. Das Herzogl. Dorf Baur- oder Hinter-Bollhagen, da vor Alters eine Capelle gestanden, davon die rudera noch zu sehen. Darin 1 Vollbaur, 4 Cossaten und ein Einlieger wohnet. Eine kleine Distance davon, zu Felgen, wohnet der Strandreiter Hardnak, auch ein Herzogl. Unterthan.
    9. Das Herzogl. Dorf Brodhagen, darin ein kleiner Hof, welchen Hinr.Schumacher bewohnet, darin 3 Bauren, 8 kleine Cossaten, 1 Ziirmermann und Dröscher wohnen, welche zum Theil nach Dobber an, zum Theil nach Vorder Bollhagen zu Hofe dienen.
  4. Gewisse jährl. Geldhebungen sind bei dieser Pfarre nicht, außer die 4 Kthl Hausmiete, so gibet,der im Witwen-Hause wohnet, dabei ein kleiner Küchengarten am Kirchhofe, etwa von einem Scheffel Saat Acker.
  5. Das Vier Zeiten Geld wird bei dieser Pfarre nicht gegeben, sondern der Prediger bekömmt nur, wenn er auf Michaelis im Kirchspiel umbfährt, von einer jeden Person, die zum Abendmahl gehet, einen Schilling, welches, weil die Pensionarii und ihr Gesinde, auch die auf dem Altenteil wohnen nichts geben, ohngefähr 1o Rthl bringet.
  6. An Wurst und Eiern von denen Höfen und Bauren bringet etwan 5 Rthl. Die beiden Bollhagen geben jährl. auf Ostern eine halbe Seite Speck. Die Schäfer geben ein Schock Schafskäse.
  7. An Mißkorn wird auf Michaelis aus dem ganzen Kirchspiel von Höfen und Dörfern gesammlet 5 Drönbt und 2 Scheffel an Rocken.
  8. Der Pfarracker soll vermöge Visit.Protocolli sein eine Hufe, jährl. nicht mehr gesäet »erden als 5 bis 6 halb Drömpt an Rocken, 9 bis 11 Scheffel an Gersten, 2 bis 3 Scheffei Erbsen. Weil der Acker wenig und dazu schlecht: das übrige an Haben [Hafer]. Es haben die vorigen Prediger mit denen damaligen Pensionarien als nane Anverwandten ohne Herzogl. Consens die Kirchenäcker so, wie sie einem jeden hahegelegen vertauschet, mit der Zeit aber, da die Verwandten gestorben, haben die Pensionarii den Hofacker wieder zu sich genanten, wie denn auch nach 18 Jahren etl. Drönbt Acker, so für undenkl. Jahren auch bei der Pfarre gewesen und an der Seite des Pfarrackers lieget, gewaltsamer Weise auch abgenommen worden, deswegen alle Jahre viel Sommerkorn in meiner Haushaltung zukaufen und mein Altargebühr dazu anwenden muß. Es hat zwar die Kirche noch eine halbe Hufe beim Glashagen, weil sie aber sehr weit von der Pfarre und in der Längde an der Seiten an der dortigen Herzogl. Wildbahn und an der ändern Seite an der Glashäger Weide grenzet, hat der Priester wenig Nutzen davon.
  9. Die Heuwerbung bringet etwa 3, höchstens 4 Fuder, daher alle Jahre zukaufen muß.
  10. Die Obst- und Küchengarten machen etwa einen Raum von 3 Scheffel Saat Acker
  11. Die Kirchenrechnung zu führen, bekömt der Prediger jährl. 2 Rthl.
Joh. Christ. Holstein Past. Steffenshagen

Die Zahl der Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Beerdigungen, die von Glashägern in der Steffenshäger Kirche gefeiert werden ist klein geworden aber es gibt sie noch.

Ausführlich ist die Geschichte des Kirchspiels in der von Ulf Lübs verfassten Chronik von Reddelich beschrieben. Reddelich gehört gleichfalls zum Kirchspiel Steffenshagen.

Artikel aktualisiert am 13.10.2020