1906 Erschließung Quellental

Die Kunst, mit der Wünschelrute Quellen zu entdecken, ist alt. Lange wurde sie bezweifelt und bestritten, erst neuerdings hat die Wissenschaft sie anerkannt, unter anderem deshalb, weil sich im Weltkriege (hier gemeint der erste Weltkrieg 1914 bis 1918) die Brauchbarkeit der Wünschelrute bei der Feststellung von Wasserläufen gezeigt hat.

Der Rutengänger benutzte Hasel- oder Weidenruten, Drahtgabeln, Aluminium usw … Es gibt auch natürliche Wünschelruten, das heißt merkwürdig gebogene Bäume, die eben durch ihre ungewöhnliche Gestalt, auf das Vorhandensein eines Wasserlaufes bzw. einer Quelle hinweisen.

Wir können von einem Fall berichten, da die Entdeckung einer Heilquelle solchen Wünschelruten zu verdanken ist. In dem vom Goldbach durchflossenen Weinkellertal am Teufelsberg, auf dem Gute Glashagen in Mecklenburg bei Doberan, einer ausgesprochenen Moränelandschaft, gibt es Bäume die alle nach der gleichen Richtung abgebogen sind. Dieser Umstand gab Veranlassung zu Bohrungen. Man fand zwei vorzügliche Mineralwässer, von denen das eine ein Tafelwasser, das andere ein Heilwasser ist.

Artesischer Ursprung liegt bei beiden Quellen vor. Im ganzen weist das Tal über 60 eisenhaltige mineralisierte Quellen auf. Die Analyse der Heilquelle hat hohen Gehalt an Kieselsäure oder Silizium (H2,Si O3) ergeben, ein lebenswichtiger Stoff; sie ist Akkumulator und Isolator für Eigenelektrizität und Lebenskraft. Der Gehalt an Kieselsäure bestimmt mit die Schutz und Heilkraft des Blutes sowie die stärkere oder schwächere Phagozytose Verzehrung (Verzehrung von Fremd-und Krankheitsstoffen durch Freßzellen).
[Quelle: „Die Wünachelrute 1928“] [53]

Soweit ein unterhalsamer zeitgenössischer Ausflug zu dem Thema mit gewagten Details, die auch jetzt, fast 100 Jahre später noch „verkauft“ werden könnten. Lt. Wikipedia gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis über das Aufspüren von unterirdischen Quellen oder Wasserläufen mittels einer Wünscheltute. Gleichzeitig schwören auch heute noch eigentlich alle Brunnenbauer auf diese Methode!

Wappen der Familie von Blücher, es hat anfänglich als Markenzeichen für das abgefüllte Quellwasser gedient.

1906 erwarb Hans von Blücher das Quellental und begann mit der Erschließung und Wirtschaftlichen Nutzung des Mineralwassers von dort.

Zeitzeugin Erika Westendorf: [33]

Blücher ließ im Quellental bohren. Aufmerksam geworden durch schlanke Bäume, die sich mit den Kronen zur Erde neigten. (Wünschelruten). Als Arbeiter vom Gut waren tätig: Carl Reincke, später im Werk Doberan tätig als Vorarbeiter, und Otto Krohn, später Büdner in Stülow (Büdnerei V , wo heute Timm wohnt). Das Wasser erwies sich als stark Siliziumhaltig . ( Kieselsäure) Über 100 Quellen wurden im Brunnenhäuschen gesammelt und in zwei Leitungen mit natürlichem Gefälle nach Doberan geleitet ( Keramik und Kupfer ). Von der Kupferleitung will die Glashäger heute nichts wissen. Heute kommt das Wasser aus Tiefbrunnen eines angekauften Areals von Hohenfelde.

Einige weitere Erläuterungen findet man in einer wissenschaftlichen Schrift zur Untersuchung des Bäderwesens und die Entwicklung im medizinisch vorbeugenden und touristischen Bereich erschienen ca 2004:

Zur Geschichte der Glashäger Silicium-Heilquelle

Im Jahre 1906 wurden vom damaligen Besitzer des Gutes Glashaden bei Doberan Bohrungen ausgeführt, welche eine neue Mineralquelle zu Tage förderten. Das Wasser wurde vom Geheimen Regierungsrat Professor Dr. H. Fresenius-Wiesbaden untersucht. Man verglich das mecklenburgische Quellwasser in seiner Zusammensetzung mit Quellwasser aus südlicheren Gefilden und befand, dass es sich in der „Welt“ sehen lassen kann.

Das Wasser der Glashäger Mineralquelle wurde von Glashagen nach Doberan geleitet, wo selbst die inzwischen gegründete Gesellschaft Mineralquelle Glashagen GmbH zu Doberan eine mit den modernsten Maschinen eingerichtete Abfüllstation am Bahnhof Doberan errichtete.

Im Jahre 1910 wurde Glashäger vom Kaiserlichen Patentamt zum Markenzeichen erhoben, damit war der Grundstein der Entwicklung zum Markenartikel gelegt. Im Jahre 1939 erwirbt die Firma Geroldsteiner die Glashäger Mineralquellen, wird jedoch 1946 von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet. Im Jahre 1950 erfolgt eine zweite Enteignung durch die DDR- Regierung. Als Mitglied der Rostocker Brauerei füllte der Mineralbrunnen jedoch weiter Mineralwasser ab und entwickelte sich nach dem Margon- Brunnen zum zweitgrößten Brunnenbetrieb der DDR. Im Jahre 1990 kaufte die Firma Gerolsteiener den Glashäger Brunnen wieder zurück. Seit dem Jahr 2oo3 gehört der Brunnen zur Brau und Brunnen AG. Dank umfangreicher Investitionen ist Glashäger heute die bedeutendste Mineralwasser-Marke in Mecklenburg- Vorpommern und mit einem Absatz von 500 000 Hektolitern an Mineralwasser und Erfrischungsgetränken Marktführer in unserem Bundesland.

Der Glashäger Quellentempel, errichtet am Ort der Ursprungsquelle erinnert noch heute an die Anfänge des Glashäger Brunnens. Stetig steigende Füllmengen machten jedoch die Erschließung neuer Quellen notwendig, die im Umkreis von drei bis 4 Kilometern in 80 Meter Tiefe im Glashäger Quellental liegen.

Diese architektonisch auffällige Quellgebäude ist in leicht zurückgebauter Form immer noch einen Ausflug wert, liegt es doch inmitten einer sehenswerten Naturlandschaft an einem oberirdischen Quellbach umgeben von einem alten urwüchsigen Baumbestand als Bestandteil des Naturschutzgebietes.

Artikel aktualisiert am 16.09.2020