1936 Hof und Dorf zusammen

1933 hatte die Nationalsozialistische Partei Deutschlands die Macht ergriffen und die gesamte Gesellschaft verändert. Die Verwaltung war umfassend von ihrer Ideologie beherrscht. Folgerichtig wurden die Strukturen der ländlichen Verwaltung allenthalben gestrafft und jegliche Einflußnahme der auf den Gütern bis dahin regierenden Besitzer unterdrückt.

Sitzungsprotokoll vom 30. November 1936 im Hause des Bürgermeisters zu Dorf Glashagen. Anwesend waren die Gemeinderäte A. Strübing, L. Otte, Hans Heinrich Griese, der 1. Beigeordnete H. Hennings und der Bürgermeister H. Griese. Gemeinderat Roß war behindert und entschuldigt….mehrere Worte unleserlich. Zur Tagesordnung stand die Besprechung und Beschlußfassung der Eingemeindung Hof Glashagen in Bezirk der Gemeinde Dorf Glashagen. Schon am 17. November wurde über diesen Punkt verhandelt, wurde aber keine feste Entscheidung gefaßt und zur nochmaligen Besprechung gestellt. Nach Besprechung wurde der Eingemeindung Hof Glashagen in hiesigen Gemeindebezirk einstimmig von den Gemeinderäten zugestimmt. Es folgen die Unterschriften der Anwesenden. [5]

Was war am erwähnten 17. November 1936 vorausgegangen? Nicht wörtlich: Anwesend waren die gleichen Vertreter, zusätzlich der Kassenwalter Lehrer Buß; zum 2. Beigeordneten Förster Mamerow hieß es er sei umgezogen und die Stelle noch nicht wieder besetzt. Tagesordnung Pkt. 1 sah vor Prüfung der Kassenbücher für das Dorf für die Jahre 1934/35 und 1935/36 vor. Man stellte einen Überschuß (Guthaben) von 1038,83 fest. Das Geld war teils in bar oder auf der Reddelicher Spar- und Darlehenskasse vorhanden. Ein kleiner Schulbaufond war ebenfalls vorhanden. Beide Kassenwarte wurden entlastet. Diese außerordentliche Kassenprüfung war sicher schon Teil dessen, was nun kam: Tagesordnung Pkt. 2. Zur Eingemeindung Hof Glashagens beschloß die Versammlung den Beschluß noch auszusetzen und beauftragte den Bürgermeister, über diese Sache mit dem Landratsamt zu verhandeln und Erkundigungen über die Finanzlage, Verteilung der Gemeindelasten, Stand der Entschuldung für den Hof Glashagen einztutreiben. Die Beschlußfassung soll bei der nächsten Sitzung erfolgen. Unterschriften sehr förmlich. Die Gemeinderäte A. Strübing, L.Otte, H. Roß, H.H. Griese. Der Kassenwalter Buß. Der Bürgermeister Heinrich Griese. [5]

Übergabe Hof Glashagen an Dorf Glashagen

Protokoll über die Übergabe des Gemeindevermögens von Gemeinde Hof Glashagen an Gemeinde Dorf Glashagen (Eingemeindung Hof Glashagen in Dorf Glashagen). Erschienen waren die Unterzeichnenden, Herr Gutsbesitzer Kuntze übergab sämtliche Bücher von Hof Glashagen und Herr Inspektor Ganzer schloß diese Bücher ab. Der Bankbestand bei der Depositen-und Wechselbank betrug 194 RM 41 Pfennige. Als Barbestand sollen 128,96 RM dem hiesigen Kassenverwalter durch Verrechnungsscheck überwiesen werden. Das Bankkonto der Gemeinde Hof Glashagen wird aufgelöst. Der Bürgermeister Griese wird dieses Konto dem Bankkonto unseres Gemeindekontos in Reddelich überweisen. H.Griese O.Kuntze , Hans Ganzer H.Buß [5]

Dieses wichtige Protokoll ist wörtlich aus dem Protokollbuch des Dorfes wiedergegeben, es enthält leider kein Datum. Der Termin kann eingegrenzt werden durch das Protokoll vor diesem mit dem 26. Februar 1937 und dem nach diesem mit dem 20.September 1937. Für den Gutsbesitzer Otto Kuntze bedeutete dieser Vorgang letztlich den Verlust des Bürgermeisteramtes. Über ganze Epochen und letzlich durch die Bestimmungen der Gemeindeordnung von 1869 war der jeweilige Hofbesitzer gleichzeitig Bürgermeister mit allen Rechten und Pflichten. Am 19. Oktober 1937 wurde ein Herr Werges sogenannter Statthalter als 1. Beigeordneter des Bürgermeisters Griese für den Hof Glashagen in die Leitung der Gemeinde kooptiert. Die Statthalter wurden über das gesamte Land an den verschiedensten Stellen eingesetzt sie waren Parteifunktionäre der Nazipartei mit erheblichen Kontroll-und Bestimmungsvollmachten.