1945 Bodenreform /Enteignungen

Die Bodenreform von 1945 stand am Anfang der Neuordnung der landwirtschaftlichen Eigentumsverhältnisse nach dem 2. Weltkrieg in Ostdeutschland. Unter der Losung „Junkerland in Bauernhand“ wurde privater Großgrundbesitz über 100 Hektar enteignet. Das Gutshaus und etwa 200 ha Land des Hofes Glashagen befanden sich seit 1921 im Besitz von Otto Kuntze. Wie überall in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone wurde auch auch hier in Glashagen sein enteigneter Besitz an Neubauern vergeben. Die Empfänger des Ackerlandes erhielten 4 ha bis 8 ha. Die Enteigneten wurden mit einem Aufenthaltverbot belegt, das weit über die Grenzen ihres ehemaligen Besitzes hinaus ging. Im damaligen Selbstverständnis wurde der Befehl allgemein gern befolgt und das Land den Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten aber auch hiesig ansässigen Büdnern und bis dahin besitzlosen Landarbeitern übergeben. Maschinen für die bis dahin großräumig bewirtschaften Flächen waren überwiegend beschlagnahmt worden, man setzte auf Ochsen und Pferdekraft gegenseitige Hilfe und vor allem Eigeninitiative.

Die Bodenreform und Bildung der ersten LPG

(Landwirtschaftliche Produktions Genossenschaften)

Die Bestrebung der ländlichen Bevölkerung Land, Eigentum und Selbständigkeit zu geben liegen über zwei Jahrhunderte zurück […]. Erinnert sei an die ersten Büdneransiedlungen 1753 und nachfolgende Landvergaben oder z. B. die Siedleransetzungen nach 1919. Mit der Einführung der Gemeindeordnung 1869 verfügte das Dorf über sogenannten Einliegeracker und weiteres Gemeindeland ausschließlich bestimmt für die „landlosen“ Dorfbewohner. Dieser Acker wurde in mehrjährigen Perioden in Kaveln (Abschnitte kleiner als 200 Ruthen) verpachtet. Diese Flächen dienten der reinen Ernährung der Familien der Siedler und Mietbewohner. Wie an anderer Stelle erwähnt hatte sich die Dorfbevölkerung von Glashagen unmittelbar nach Kriegsende 1945 auf das Doppelte erweitert, alle suchten nach einer neuen Lebenslage und Existenz.

In unserer Gemeinde standen aus der Enteignung des Gutshofes gute 220 Hektar zur Aufsiedlung zur Verfügung, die zur Bildung von 12 Neubauernstellen genutzt wurden. Entsprechender Wirtschafts-und Wohnraum dazu mußte aus dem Wenigen vorhandenen geschaffen werden. Alle alle Gebäude des Hofes Glashagen wurden einbezogen. Mehrere Familien erhielten direkt im Gutshaus und in den Katen des Ausbaus Unterkunft. Einige Familien fanden durch Um-und ausbau der größten Stalles eine Bleibe.

Es waren die Familien Wachholz, Steinke,Chlupka, Mileschko, Boseck, Schleiff, Nevermann, Klinkmann, Noll, Rampf, Bartz und Pirnack, die mit der Übernahme von jeweils ca. 8 ha den Neuanfang wagten. Man muß dazusagen daß einige vorher keine Bauern gewesen waren.

Einigen vorher schon in Glashagen als Büdner oder Siedler arbeitenden übergab man etwa 4 ha Bodenreformland zur Ergänzung und Gleichstellung mit den Neusiedlern.

Professor Gierke dazu: Ein Neubauernprogramm sorgte durch günstige Kredite, bevorzugtes Errichten von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und nicht zuletzt durch die angemessene Pflichtablieferung ihrer Produkte an den Staat für eien beschleunigeten Aufbau ihrer- und Lebensgrundlage.

Wesentlich ungünstiger hatten es jedoch die Bauernhöfe mit über 20 Hektar, die gerade durch eine überhöhte Pflichtablieferung in eine ganz verzweifelte wirtschaftliche Lage gerieten. Oft sahen sie keinen anderen Ausweg mehr, als in den 50er Jahren gen Westen in die Bundesrepublik zu gehen, wie z.B. die beiden Bauern Griese (Hufe III und Breide Hufe II) […].

Im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen 1989/90 erhielten beide Familien ihr Eigentum zurück. Familie Breide bewirtschaftet ihre auf Glashäger Feldmark von Allershagen aus. Familie Griese hat ihre Flächen an Familie Breide verpachtet.