Aus der Geschichte der Hufe I des Dorfes Glashagen

  • Die Bauernstelle war die erste, die links- und rechtsseitig der Dorfstraße, aus Richtung Bad Doberan kommend, lag. Bis zu den 1870-ger lag das Wohngebäude mit den Ställen an der Dorfstraße, so wie dei beiden Hufen II und III am nördlichen Rande der Wirtschaftsfläche. Wegen der besseren Erreichbarkeit aller Feldflächen wurde ein neuer Hof etwa auf die Mitte des südlichen Ackerteils gesetzt. Jetzt hatte man einen sog. arondierten Betrieb. An alter Stelle blieben ein Katen und ein Brunnen zurück.
Lage der Hufe in der Feldmark.

1743 wurde in den Akten Joachim Westendorf als Hauswirth der Hufe I benannt.

1754 war Johann Westendorf Hauswirth

1818 heiratet der Sohn und Knecht Heinrich Westendorff eine Tochter der Hofstelle VI, Hans Heinrich Bull in Stülow und wird Hauswirth. [01; Findbuch Nr.: 2.22—10/7]

1836: Bau eines Altentheilerkatens durch Interimswirth Waack. [01; Findbuch Nr.: 2.22—10/7]

1840 wurde Hans Heinrich Waack als Interimswirth auf der Hofstelle abgelöst. [1]

In den Akten des Landesarchivs aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde glücklicherweise die Einsetzung des Sohnes Christian der Familie Westendorf vom Hof I aus dem Dorf Glashagen beschrieben. Hiermit verfügen wir über ein interessantes Zeitdokument bestehend aus dem Antragsschreiben des Vormundes und dem Antwortschreiben des Großherzoglichen Amtes Doberan. Beiliegend waren alle Hofbeschreibungen, die schöne Einblicke erlauben. Die Übergabe selbst erfolgte wie damals üblichin diesen Fällen zu einem anbautechnisch günstigen Termin im Oktober.

Für den Antrag zur Einsetzung von Christian Heinrich Westendorff (1815 bis 1891) als Hauswirt auf er Hufe I liegt folgender Schriftverkehr vor, der die erbliche Übernahme des Hofes durch den gerade erbberechtigten Sohn Christian Westendorf vom bis dahin wirtschaftenden Interimswirth Waack eröffnete:

Die Übernahme geschah in Gegenwart der Glashäger Hauswirthe: Interimswirth und Schulze Niemann (Hufe II) und des Hauswirth Griese (Hufe III). Diese drei Hufen verbindet ein gemeinsamer Zeit Pachtvertrag ab 1793 .

Es wird für alle dazugehörigen Ländereien und die Hofwehr (heute würde man sagen Zug-und Milchvieh, Wohnhaus und Stallungen sowie Wirtschaftsgebäude und Arbeitsgeräte, bis hin zu Spaten und Hacke sowie das Saatgut) genau aufgelistet und mit der zum Hof gehörenden bestehenden Übergabeliste abgeglichen.

Das anschließende R E G U L A T I V von 1840 zur Einführung des Hofnachfolgers auf Hof I war gleichzeitig eine Aktualisierung des Pachtverträge für alle drei Hufen des Glashagens. Sie besaßen seit Hofübergaben, wie hier fanden dann statt, wenn der zur Stammfamilie bei einem Vormund aufgewachsene Sohn das erforderliche Alter erreichte und den Hof von einem sogenannten Interimswirth übernahm. Der Interimswirth hat an Stelle des verstorbenen Vaters solange den Hof geführt.

Schließlich besiegelte der Handschlag des Übergebenden und Übernehmenden den Vorgang.

1851 bis 1853 Bau eines neuen Viehhauses .

1846 bis 1866 Streitigkeiten der Altentheilerwitwe Waack mit dem Hauswirth Westendorff („Gänsestreit“).

1867, Volkszählung: Es wohnten zum Stichtag 1. Dezember auf der Hufe I:

  • Im Bauernhaus: Erbpächter Christian Westendorf (1815) mit Ehefrau Maria (1825) und den Söhnen Joachim (1841), Johann (1844) sowie Heinrich (1851).
    Die Dienstmädchen Sophie Allwart (1850) und Sophie Römer (1852) sowie das Kostkind Ludwig Schröder (1844).
  • Im Katen die Einlieger: Witwe Pätow (1814) mit Sohn Johann (1845).
  • Im Haus: Arbeitsmann Heinrich Bull (1835) mit Frau (k.A.) und {Kind} (1867). [28]

1872 war Joachim Westendorff (14.10.1841 bis 3.6.1923) Hofeigentümer. Er war verheiratet mit Elise Westendorf, geb. Roß (21.4.1858 bis 6.3.1919). Deren Tochter Magda heiratete 1902 den Inspektor von Gut Glashagen, Emil Jürges (20.11.1864 bis 22.8.1947). Aus dieser Ehe gingen die Kinder Paul (gest. 1989), Otto (5.1.1907 bis 1995) und Liesbeth (gest. 1990) hervor. [24]

1875 wurde Joachim Christian Heinrich Westendorf (1841) erstmals im Protokollbuch der Gemeinde Glashagen als Hofbesitzer genannt.

1900, Volkszählung, am Stichtag, dem 1. Dezember wohnten im:

  • Bauernhaus: der Erbpächter Joachim Westendorf (1841) mit Ehefrau Elise (1879), Tochter Magda (1879) und Sohn Heinrich (1857).
    Ferner die Knechte Paul Kankel (k.A.) und Wilhelm Weitendorf (1883) sowie das Dienstmädchen Anna Brüsehaber (k.A.) [28]
  • Im zweihischigen Altenteilerkaten wohnten der Arbeitsmann Heinrich Hamann mit Ehefrau Louise, Sohn Hans, und Tochter Emma. In der zweiten Wohnung wohnen: Arbeitsmann Joachim Seehase und Ehefrau Eliese.

1896: In der Literatur wurde zum Hof I von Glashagen genannt: Gesamtfläche 41,23 Hektar; bonierter Hufenstand 131 Scheffel; Kanonkapital 16.800 Mark; Brandkassenwert der Gebäude 23.400 Mark.

1902: Emil Jürges, Gutsinspektor von Hof Glashagen, heiratete Magdalena Westendorf (eine Tocher des Vorbesitzers des Joachim Westendorf, geb. 1841) und wird Erbpächter der Hufe I

1930: Der Hofe I wird im Landwirtschaftlichen Adreßbuch beschrieben: Eigner Emil Jürges; 41 ha gesamt, davon 37,1 ha Acker incl. Garten; 2,2 ha Wiesen; 0,4 ha Weiden, 17 ha Umland inclusive Hofraum und Wege. 5 Pferde, 25 Rinder, 4 Schafe, 12 Schweine.

Fast an gleicher Stelle direkt an der Dorfstraße, wurde in den 1960-er Jahren, einem Trend der Zeit folgend, der“Neubaublock“ mit drei Wohnungen gebaut. In vielen Dörfern gibt es diesen oder einen erweiterten Bautyp noch heuteGenossenschaftsmitgliedern der LPG als Wohnungen diente. Der Hof bekam eine Zufahrt von der Straße nach Retschow und wird heute als Wohngrundstück genutzt. Die Nutzflächen sind verpachtet.

1935 , am 11.12. sind Martin Eimterbäumer und Erna Eimterbäumer aus Herford (Westfalen) in Glashagen zugezogen, sie erwerben die Hufe I von Emil Jürges. [02]

1944 begann Editha Ollermann aus Anklam eine Lehre als Hauswirtschafterin bei Familie Eimterbäumer. Über ihre ersten Tage dort schrieb sie einen ausführlichen Brief mit Tagebuchcharakter. Heute ist dieses Schreiben ein wertvolles Zeitdokument über das damalige Leben auf dem Bauernhof:

1945, am 03. Mai erreichen Einheiten der Sowjetarmee in den Vormittagstunden ,aus Richtung Retschow kommend Glashagen. Der Bauernhof Eimterbäumer wird besetzt. [24] (Siehe Abschnitt: Erinnerungen von Günter Lack).

1945 kam, als Kriegsflüchtlinge die Familie Lack auf den Hof. Günter Lack erinnerte sich:

1946, am 20.07. verstarb die Bäuerin Erna Eimterbäumer geb. Wagner [02]

1947, am 13.11 verstarb der Bauer Martin Eimterbäumer. [02]
Karl Köpke, bis dahin Gutinspektor auf dem durch die Bodenreform enteigneten und aufgelösten Hof Glashagen, er übernahm die Bewirtschaftung der Hufe I bis diese an die LPG angegliedert wird.

1947, am 16.12. verließen die Geschwister Annegret und Gudrun Eimterbäumer Glashagen in Richtung Herfort, Eimterstr. 198

1953 Übernahme der ehemaligen Hufe I in die LPG. mehr …

1989 erwarb das Ehepaar Professor Gerhard Gierke und Rosemarie Gierke das Haus-und Hofgrundstück von den Erben Eimterbäumer. Es erfolgt eine gründliche Sanierung unter weitgehendster Beibehaltung der äußeren architektionischen Vorgaben. Es entstand ein sehr ansehnliches Gebäude. Ab 2001 ist Rosemarie Gierke alleinige Besitzerin des Hofes.

Artikel aktualisiert am 25.03.2021