1944 Tagebuch Editha Ollermann, Hufe I, Bericht.

Glashagen, am 16. 4. 1944

Heute will ich nun einen längeren Brief von Glashagen schreiben. Er soll mehr oder weniger ein Rundbrief werden.

Seit dem 3. April bin ich nun in Glashagen bei Reddelich im Kreis Rostock in Mecklenburg. Wir liegen 4,5 km von Doberan entfernt. Die Landschaft ist hügelig und viele Wasser-,Sumpf- und Moorlöcher liegen in den Äckern. Um jedes Wasserloch stehen einige Bäume und nicht weit von uns er­streckt sich ein Wald. Das ganze Landschaftsbild gefällt mir sehr gut. Von Doberan müssen wir zu unserem Hof bergauf fahren. Das Gut Glashagen ca. 1000 Morgen gehört zu Doberan, doch das Dorf, das aus drei Bauern besteht, gehört zu Reddelich. Büdner und Häusler und Arbeiter wohnen hier auch noch.

Unser Hof ist 40 ha groß. Das Feld liegt um den Hof und die Koppeln ganz dicht bei. Ca 120 Morgen Anbaufläche, davon 30 Morgen Hackfrucht. Der Hof liegt sonst in sich geschlossen. Er besteht nur aus einer Scheune, zwei Ställen,Schuppen und dem Wohnhaus. Im Garten ist noch das Kückenhaus. Gleich beim Hof liegt ein Teich. Die Einfahrt führt direkt auf das Haus zu. Vor diesem ist ein runder Rasenplatz, den wir gestern erst frisch abgestochen Haben. Darauf liegen zwei riesige Feldsteine und wachsen zwei Eichen. Hinter dem Haus ist ein Steingarten,dem sich ein Rasen anschließt. Gleich folgt der Gänseauslauf und dann der Gemüsegarten … Schluß!

Die Kinder quälen, daß ich mit ihnen spazieren gehe.

Jetzt ist es abends dreiviertel neun. Es wird wohl einige Tage dauern, bis ich hiermit fertig bin.

So ungefähr im großen unser Hof. Fahren wir in den Hof ein, so ist links gleich Holz aufgeschichtet. Vor dem Hof liegen Steine, die schon für einen neuen Weg geklopft sind. In der Scheune ist ein Teil des Strohs unterge­bracht und die Dreschmaschine. Auf dem Feld steht auch noch eine Roggenstrohmiete. Im Holzschuppen liegt noch zerteiltes Holz zum Gebrauch. Sonst sind dort auch noch der Wagen, Kartoffelpflanzmaschine usw. untergebracht.

Rechts ist dann der Viehstall. Wir haben drei Pferde und zwei Fohlen (vier Stuten und einen Hengst). Zwei Stuten und der Hengst sind eingetragen. Am 24. April soll Luise ein Fohlen bekommen. Im Stall hinten ist eine kleine Werkstatt eingerichtet. In der Futterkammer sind nur Rüben für die Kühe. Im Kuhstall stehen 14 Milchkühe, 7 Starken, 1 Bulle und 6 Kälber. Ein Kälbchen ist heute geboren worden. Es ging alles gut. Ein Herdbuchkalb ist dabei. Wir wollen jetzt mit der Herdbuchzucht beginnen. Doch es ist erst ein einziges Kalb.

Meine erste Kuh habe ich auch schon gemolken. Das Tier hatten die Polen mit der Gabel in’s Euter gestochen, so daß die Milch seitlich heraus kommt. Das war ein Gemelke. Trotzdem habe ich sie gleich beim ersten Mal ausgemolken. Als ich gerade unter der Kuh saß und so herzhaft an den Strippen zog, hebt doch die Kuh, die neben mir stand den Schwanz und da ich noch zwischen zwei Kühen eingeklemmt saß, und der Eimer vor mir stand, mußte ich den Guß über meinen Rücken ergehen lassen und konnte nicht mehr entweichen.

Wir haben zwei Kälber zu füttern. Es macht tollen Spaß. Die ältesten sind einviertel Jahr alt. Unser Hund Moppel, der Hund, eigentlich Hektor genannt, sitzt in dem Loch am Mist. Er beißt nicht und bellt nur. Der Hühnerstall ist etwas eng für 40 Hühner und wird von der Polin gereinigt. Im Sommer machen wir es.

Die Schafe, die im Schweinestall sind, kommen jetzt täglich auf die Schweineweide. Ein dunkel-grau-brauner Bock, 5 Schafe und 3 Schäfchen. Es sind Wollschafe. Der Stall ist sonst voller Schweine, und ich finde es sehr viel für diesen Hof. Gestern haben wir einen Eber geholt. 5 Sauen sollen gedeckt werden, nah das gibt genug Ferkel. In der Futterkammer steht die Schrotkiste, der Kessel für Abwaschwasser, einer für Silokartoffeln und Küchenabfälle. Dort werden auch die Kannen gesäubert und aufgehängt. Die zwei Kannen Magermilch, die zurückkommen, werden auch verfüttert und werden dort auch reingegossen.

Gleich hinter dem Stall, nach Norden geschützt und nach Süden durch Baumgruppen beschattet, sind zwei Mistbeete fertig gemacht. Wir haben jetzt die Frucht gekalkt und eine Tonne für Wasser aufgestellt. Das Kohlland ist gepflügt und mit dem Kultivator bearbeitet. Jetzt haben wir dort schon Spinat, Erbsen und Zwiebeln stehen. Am Zaun entlang führt eine Buchenhecke.

Hinten sind Beerensträucher und davor eine Himbeerhecke. Das andere ist Gemüseland, wo wir schon Möhren, Karotten, Radieschen, Rettich, Mangold, Bohnen, Erbsen usw. gesät haben. Ein kleiner Teil ist mit Wildlingen bepflanzt, die veredelt werden sollen. Zwei Reihen Rhabarber liegen in der Ecke. Ganz links am Zaun ist der sogenannte Urwald. Oh, da steht alles bunt durcheinander. Birken, Buchen,Fichten, Tarinen, Haselnüsse usw.: es ist ein Gartenschutz gegen den Ostwind. Im Auslauf ist unser Wasserturm. Dort sammelt sich das Wasser von den Feldern und kann somit in das Haus. Im Bunker sind augenblicklich unsere zwei Gänse und der Ganter untergebracht. Eine Pute sitzt im Kückenhaus auf Gänseeiern. Morgen oder übermorgen sollen die Gänschen schlüpfen. Von zwölf Eiern werden acht herauskommen. In vierzehn Tagen sollen die Gänse der brütenden Gans schlüpfen,die auch im Gänsehaus sitzt. Vor dem Auslauf ist eine Tannenhecke und davor eine Staudenrabatte, die mit Buchsbaum eingefaßt ist.

Der Rasen ist zum Toben da. Eine Schaukel, eine Wippe und ein Rundlauf sind zum Spielen da. Die ganze Familie mit Vater, Mutter, Kindern und Lehrlingen wippt, schaukelt und schwingt. Vorn am Rasen sind Steinkanten mit Blumen, die jetzt schon sehr schön bühen.

Kommt man von hinten in den Flur so ist es finster. Rechts steht ein Schuhrück und dahinter die Pantoffeln, Asch- Futter- und Abfalleimer. Geradezu geht es in den Keller. Die Räder stehen hinter der Küchentür. In der Küche steht ein Herd. Auch hier wird mit offenem Feuer gekocht. Das Abwaschbecken liegt an der Wand zur Schlafstube. Rechts und links sind Abstellbretter und darunter stehen Eimer, die von einem blaukariertem Vorhang verdeckt sind. Derselbe Stoff wie die Gardinen. Ein Tisch, an dem die Polen essen und ein Schrank für das Geschirr sind alles. Gleich nebenbei ist die Speisekammer. Hinter der Tür ist ein Schränkchen für die Seifensachen, und darunter stehen die Töpfe. An der langen Wand sind Borde für Reste und die täglich gebrauchten Sachen. Vor dem Fenster steht ein Brottisch mit der Maschine, Klammerbeutel, Klopfer, Bratpfannen und Kuchenformen hängen jedes an seinem Platz.

Die Familie ist müde und dabei ist es erst ½ 11 Uhr. Alles muß ins Bett und ich auch!

17. 4. 44

Nebenbei ist das Badezimmer mit Klo, das nur durch einen Vorhang abgetrennt ist, so daß der Verkehr draußen weiter geht. Waschbecken, Badewanne, Wickelkommode und ein Schuhregal sind dort untergebracht. Überall sind rotweiß gewürfelte Vorhänge. Des Chefs Schuhe gucken immer unter dem Regal hervor. Er ist ja auch ein Riese von 1,96 m. Im Kinderschlafzimmer steht ein sehr schöner Schrank. 3 Kinderbetten, 3 Stühle und eine Kommode, Gardine und Tapete sind geblümt. Über jedem Kinderbett hängen Holzfiguren.

Herr und Frau Eimterbäumers Schlafzimmer ist eine helle Eiche. Die Tapete, die Übergardinen, Portiere zwischen den beiden Schlafzimmern und die Bettumrandung sind blau. Babylein schläft auch noch in seinem Kinderbettchen. Die Betten sind extra angefertigt und besonders lang, damit der Chef seine Beine nicht rausbaumeln lassen muß.

Im vorderen Flur steht ein Tisch mit Telefon (Bad Doberan 105), ein Stuhl, eine Truhe und die Garderobe. Im Herrenzimmer, in der kalten Pracht, wird sich nicht aufgehalten. Es ist ziemlich leer. Vor allen Dingen fehlen überall schöne Bilder. In der Wohnstube, die nach Süden liegt, halten wir uns am meisten auf. Ein riesiges Fenster mit Blumen und einer sehr netten farbenfreudigen Gardine erhellt das Zimmer. Eine Ecke ist Spielecke für die Kinder. Eine nette Anrichte, ein Tisch, eine Chaise, eine Nähmaschine und einige Stühle sind die Einrichtung für das Zimmer. Die Kuckucksuhr an der Wand schreit und muß täglich zweimal aufgezogen werden. Das Radio, ein kleiner Volksempfänger, schweigt, da die Batterie aus ist und mit Petroleum, das hier die einzige Beleuchtung ist, läßt er sich nicht antreiben. Die Beleuchtung ist hier sowieso noch ein Problem für mich. Neulich saß ich allein und hatte mir die Lampe angesteckt, da fallen plötzlich lauter Rußteile herunter und schließlich merke ich, daß ich die Lampe zu hochgeschraubt hatte. Daher ist auch das erste Blatt so verwischt, denn es bekam den ganzen Segen ab.

Die Bude von unserem Landarbeiterlehrling ist immer wüst, Nägel, Bindfäden, Klamotten, Sägespäne, Romane zu 1 RM liegen alle durcheinander.

In der Vorratskammer, hier Apfelstube genannt, stehen Marmeladen, leere Gläser, Schmalztöpfe, ein Schrank mit Klamotten, Spinnrad usw.,vor allen Dingen sonst noch Äpfel.

Über dem vorderen Flur ist unser Zimmer, nach Norden hin.

Es wird jetzt sehr duster und im Sommer sicher sehr angenehm kühl sein. Eigentlich ist das oben schon der Boden. Zwei Polen hausen auch dort.

Unser Zimmer ist nicht groß, und es stehen nur zwei Betten, zwei Nachttische, zwei Stühle, Schrank, Tisch und Waschtisch drin.

Das Gebäude sieht nicht sehr schön aus. Da ist kurz vor und am Anfang des Krieges etwas umgebaut worden. Es ist nicht restlos verputzt. Nach dem Kriege soll das ganze Haus umgebaut werden. Wir haben schon die Zeichnungen gründlich durchstudiert.

Die Familie besteht aus Papa, Mama, und vier Kindern. Mama Eimterbäumer ist nicht so groß aber sehr kräftig und resolut. Sie hat etwas Undefinierbares am Hinterkopf, was eine Rolle sein soll. Sie arbeitet feste mit uns so schaffen wir ein gut Teil. Sie versorgt ihre Sprößlinge selbst. Sie hat volles Verständnis für alles, und wenn etwas schief geht, so wird es nicht so tragisch genommen, und mit Humor geht sie über alles hinweg.

Wie und was sie meint sagt sie einem klar und deutlich ins Gesicht Der Herr Papa ist geschoren. Er hat wohl sonst von Natur rotfüchsige Haare. Er ist gemütlich und versteht seine Sache. Es klappt alles vorzüglich und er ist von morgens bis abends auf dem Felde oder auf dem Hof. Er macht sehr gerne Spaß und verträgt jede Näckerei und pflaumt riesig gern. Im großen und ganzen ist er ein ruhiger Mensch. Er bestellt alles selbst, futtert Baby, trocknet Kinder ab, erklärt, wenn man ihn um etwas fragt und hilft und arbeitet, wo er nur kann. Nach Feierabend macht er dies und jenes im Garten. Ostern haben wir mit beiden gewippt, geschaukelt und in nächster Zeit soll ein Rundlauf aufgebaut werden. Abends unterhalten wir uns über Dünger, Saat, Fruchtfolge und Anbauverhältnis. Frau E. spinnt oder stopft. Einen Abend habe ich wieder Wolle gesponnen. Es hat mir mal wieder riesig Spaß gemacht.

Gestern haben wir noch eine Flasche Most aus dem Keller geholt und die Keksbüchse geplündert. Es ist wirklich ein gemütliches Zusammenleben.

Die Älteste, Annegret, ist 6 Jahre und geht schon das erste Jahr in die Schule. Sie hat lustige Rattenschwänze, die fuchsrot und kraus sind. Sie ist die Beste in der Schule, sie lernt und begreift sehr schnell. Die jüngeren Geschwister haben es nicht leicht, denn sie ist ekelig und befiehlt immer und ist auch sonst nicht sehr artig. Um so niedlicher ist der fuchsige Lockenkopf, die vierjährige Gudrun. Ein Zappel, aber so niedlich und sie spielt so nett mit der kleinen dreijährigen Brunhild, die noch kein „sch“ und ”w“ sprechen kann. Staat“w“ sagt sie immer“j“, was bei ihr „ja“ heißen soll. Alle 5 Minuten kommmt sie an: „Ich glaube die Kälber hann don wieder Hunder.“ Die füttert für ihr Leben gern mit Kälber. Unser Baby, die Adelheid, ist gleich 1 Jahr alt. Sie spricht noch nichts und kann auch noch nicht allein stehen, und wenn sie den ganzen Vormittag auf dem Thrönchen gesessen hat und man hat sie eben hingelegt, so ist in den nächsten 5 Minuten die Windel naß. Unser Baby kann sehr niedlich mit der Zunge schnalzen. Besonders, wenn sie etwas zu essen bekommt. Trotzdem sie schon 6 Zähne hat, bekommt sie noch morgens und abends die Flasche, Milchbreichen und zum Kaffee Weizenbrot ohne Rinde, dabei kann sie Rinde gut beißen. Ich drücke ihr immer einen Brotknust in die Hand, damit sie dann ruhig und still ist. Das wär die jüngste Generation.

Mein Mitlehrling, die Hannelore ist erst 17 Jahre. Sie ist noch reichlich jung, ihre Art liegt mir nicht sehr, aber wir kommen trotzdem gut zusammen aus. Wie, wo, was – weiß ich von ihr noch gar nicht Als nächstes wäre unser Landarbeiterlehrling zu nennen. Er ist auch erst 16. Er macht seine Arbeit, ist wohl auch ganz nett, und wir haben auch schon manchen Spaß zusammen gehabt. Er holt uns oft Holz und Schrot für die Kälber, jagt die Gänse mit ein. augenblicklich muß ich für ihn Tagebuch führen, da er im SS-Ertüchtigungslager oder wie das heißt, ist. Denn er muß die Arbeiten des Betriebes weiter aufzeichnen.

Dann wird wieder der Tisch gedeckt und aufgeräumt, manchmal auch Baby ge­füttert. Abends essen wir sehr viel Rohkost. Sauerkraut – Rotkohl – und Spinatsalat, Winterspinat etwas zerschnitten und mit Zucker, Öl und Essig abgeschmeckt ist sehr köstlich. Nach dem Abendbrot muß abgedeckt und abgetrocknet werden. Dabei geht es sehr fidel in der Küche zu. Dann werden die Gänse eingetrieben und der Ganter an den Hals gepackt, die Pute wird vom Nest gelassen und die Gans ebenfalls. Morgen kommen von der Pute die ersten Gänschen. Die Eier werden heute schon angepickt. In 14 Tagen schlüpfen die Eier unter der Gans. Die Hühner werden zugemacht und dann ist es auch schon ¼ – ½ 9 Uhr und Feierabend. Wenn es schönes Wetter ist jagen wir mit dem Hund über die Felder, oder schaukeln noch ein bißchen. Oder wir sitzen zusammen in der Wohnstube. Herr E. schläft meist auf der Chaise schon ein, Hannelore, liest Zeitungsromane. Heinz quält sich mit seinem Tagebuch ab oder stopft Löcher, die am Knie seiner Hose immer wieder auftauchen. Frau E. liest wirtschaftliche Sachen oder spinnt Wolle. Sie kann einen prima glatten Faden spinnen. Einen Abend habe ich auch einen gesponnen. Es war ein Faden für Männersocken, aber keine Noppenwolle mehr. ½ 11 Uhr geht es regelmäßig zu Bett, was für mich immer sehr betrüblich ist.

Da wir alle 14 Tage wechseln, habe ich in dieser Woche die erste Kochwoche. Hier hat man den ganzen Morgen Zeit, nur um einen Tisch fertig zubekommen. In Wokrent mußte ich in derselben Zeit drei Tische fertig haben. Morgens muß als erstes der Herd angemacht werden. Ich muß dreimal wenigstens anfangen ehe er brennt. Dann wird Kaffee aufgebrüht und alles zum ersten Kaffee fertiggemacht und vier Brote gestrichen. ¼ 7 Uhr steht der Kaffee auf dem Tisch. Zum zweiten Frühstück bleibt gleich alles stehen. Dann muß ich Babyfutter kochen und Milch für die Kinder heiß machen. Dann wird nur ein Brikett aufgelegt und das Feuer geht geht bis ½ 9 Uhr aus. Bis dahin wird Gemüse geputzt, werden Kar­toffeln geschält, Frühstück zubereitet und es werden Brote für die Polen gestrichen. Manchmal muß auch noch Brot aufs Feld gebracht werden. Um 9 Uhr steht alles fertig auf dem Tisch. Danach hat man bis Mittag Zeit. Nebenbei muß Baby ver­sorgt werden vom Körbchen in den Wagen, Zwieback mit geriebenem Apfel füttern, Bausteine und Holzlöffel aufsuchen, zum Schlafen hinlegen, trocken anziehen und ein bißchen lachen. Um 12 Uhr steht dann wieder alles auf dem Tisch. Die Gören werden angezogen, Hände waschen und zum Tisch gejagt. Dann muß ich ab­trocknen, Moppel und vier Katzen füttern und säubern, Kaffee kochen und Kälber­schrot aufbrühen, alles in Ordnung bringen und auffeudeln. Bis 2 Uhr ist frei und dann sind irgendwelche Arbeiten zu verrrichten.

Um 18 Uhr steht man schon wieder in der Küche, Feuer machen und Babyfutter kochen. Zwischendurch ist aber schon wieder Kaffeezeit gewesen. Abends wird immer warm gegessen. Um 7 Uhr steht alles auf dem Tisch. Dann ist auch draußen die Arbeit soweit fertig. Dann muß wieder der Hund gefüttert werden, alles beiseite gesellt sein, dann helfe ich mit die Gänse einjagen und dann, wenn ich noch Holz und Wasser geholt habe, ist Feierabend. Wenn ich ganz gut bin, hole ich noch Kartoffeln, denn im Kartoffellager ist es morgens noch ganz feucht. Auf dem Bauch liegend kriecht man dabei in die Miete. Man muß sich sein Essen wirklich verdienen.

Unsere Mieten, sind noch nicht auf, denn wir haben erst Kartoffeln pflanzen müssen und den Acker fertiggemacht. Von Fliegeralarm hören wir hier nichts. Wohl, daß in Doberan und Reddelich die Sirene gehen, neulich erst, Ostersonntag und an dem darauffolgenden Dienstag hatten wir hier Luftkämpfe mit starkem FIackbeschuß 14 Fallschirme hingen in der Luft und drei Flugzeuge stürzten brennend ab. Sie gingen kurz hinter Doberan runter.

Doch Schluß. Ich glaube, nun habe ich alles aufgeschrieben.
Es grüßt herzlich
Editha (Ollermann, Anklam)

Anmerkung: In Bezug auf die am Anfang des Briefes erwähnte Zugehörigkeit des Hofes Glashagen zu Doberan hat sich die Schreiberin geirrt. Der Hof Glashagen war bis 1936 selbständige Hofgemeinde und dann zur Gemeinde Dorf Glashagen gehörig. Darüber hinaus ist dieser von ihr gewollte Rundbrief ein sehr gutes Zeitzeugnis. Eine außergewöhnlich aufschlußreiche Recherche, deren Aufbewahrung wir Günter Lack verdanken . [24]