1946: Erinnerungen von Erika Westendorf

Zur Person von Erika Westendorf: In Stülow geboren war sie langjährige Lehrerin und an der Geschichte um Doberan und den Dörfern Stülow und Glashagen besonders interessiert. Als Junglehrerin im 2. Weltkrieg 1939-45 auch in Dorfschulen im Doberaner Umland tätig. Nach 1945 bis zu ihrer Pensionierung unterrichtete sie in Bad Doberan. Diese Ausführungen sind in Zusammenarbeit mit Professor Gierke entstanden. Beide sind leider nicht mehr am Leben.

Erinnerungen: Handschriftlich von Zeitzeugin Erika Westendorf

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Erinnerungen an Schule in Glashagen

von Erika Westendorf, Lehrerin u. a. in Bad Doberan.

Sie [die Schule Glashagen] war, wie die meisten Schulen in Mecklenburg einklassig. Nur für kurze Zeit nach 1945 war sie zweiklassig, da es so viele Umsiedlerkinder gab. Vor dem ersten Weltkrieg (1914) unterstand die Schule der Aufsicht des Pastors. So nimmt es nicht Wunder, dass täglich, morgens zwei Stunden Religion waren, wo vieles an Gesängen und Katechismus auswendig gelernt wurde. Sobald die Kinder zehn Jahre alt waren, bekamen sie auf Antrag schulfrei für den ganzen Sommer. Nur einmal in der Woche gingen sie zwischen 6:00 und 8:00 Uhr, für zwei Stunden zur Schule (Religion). Ab zwölf Jahren mussten sie nach Steffenshagen zum Konfirmandenunterricht. Sie gingen den Kirchstieg und weitere schmale Trampelpfade, die quer über die Feldmark gingen.

Eigene Bemerkungen des Verfassers: Von Glashagen Hof zur Schule Glashagen gab es auch so einen Schulweg der im Dorf auf der nördlichen Böschung der Dorfstraße angelegt war. Über die Kreistrasse Doberan- Retschow lief man direkt auf kürzestem Weg in sogenannter Luftlinie zum Hof Glashagen. Von hier kamen vor allem die Kinder, die ihn täglich benutzten.

An Lehrer Methling hat sie folgende Erinnerungen: Blatt 1

Er muss Zeit seines Lebens in Glashagen gewesen sein. Denn sowohl meine Großmutter als meine Mutter sind bei ihm zur Schule gegangen. Als zweite Frau hat er eine ehemalige Schülerin geheiratet. Er selbst konnte in seinen letzten Dienstjahren keine Ordnung mehr in seiner Klasse (1 bis 8) halten. Wenn es laut wurde, kam seine Frau herein und kniff den großen Jungs in die Arme, dass sie blaue Flecken hatten. Wenn die Schüler den Lehrer fragten „Wie sollen wir das rechnen?“, dann bekamen sie zur Antwort: „Das weiß ich auch nicht, rechnet das, was ihr könnt.“

Jeden Morgen hatten sie erst zwei Stunden Religion. Der Pastor war bis 1918 der gesetzliche Vorgesetzte des Lehrers in allen Schulen. Als meine Mutter aus der Schule kam, war sie ein Jahr im Haushalt des Lehrers tätig. In ihrem Zeugnis unterschrieb er mit Methling, Lerer.

Die Schule wurde damals nicht so wichtig genommen. Wenn sie [die Kinder] den Sommer über schulfrei hatten, dann hatten sie meist beim Bauern Kühe oder Gänse gehütet.

Über die Waldarbeit

In Glashagen war auch der Pflanzgarten des Forstreviers. Da hat meine Mutter gearbeitet. Verpflegung musste sich jeder für den ganzen Tag mitnehmen. Sie verdienten 8 bis 10 Pfennig die Stunde.

Der Wald hatte für die Glashäger Einwohner große Bedeutung. An den Holztagen, zweimal die Woche, zogen Frauen und Kinder mit Schiebkarren in den Wald. Sie hatten einen langen Haken mit, womit sie trockene Äste vom Baum holten. Grünes Holz durfte nicht genommen werden und Beil und Säge waren verboten. So war das meistens dünnes Holz, was im Hause getrocknet wurde und in oder auf Schragen gestapelt war.Zum Kochen war es gut, aber nicht für den Heizofen. Und Briketts wurden damals nicht gekauft. So machten sich die Männer ans Stubbenroden, eine langwierige schweißtreibende Arbeit. Am Sonntag durfte nicht gearbeitet werden, nicht einmal auf dem eigenen Acker während der Kirchzeit. Meine Mutter musste aufpassen, dass der Gendarm die Großeltern nicht erwischte, wenn sie auf dem Feld arbeiteten.

Artikel aktualisiert am 16.08.2021