Wegebau in Glashagen

Die allgemeine Situation:

Die Wege in Glashagen und die Erhaltung ihrer Brauchbarkeit waren, wie in allen Dörfern unseres Landes ein dauerndes Problem. Wegebesserung war über Jahrhunderte eine der wichtigsten öffentlichen Leistungen der Bewohner. Wege bestanden aus einem Gemisch aus Lehm und Kies, das festgestampft wurde. Regelmäßige Auswaschungen ließen immer wieder ganze Bereiche unpassierbar werden. Die Intervalle der Reparaturen waren kurz und beschränkten sich bestenfalls auf das Erreichen des alten Zustandes.

Bereits 1777 sah der Herzog sich gezwungen, einen Erlass zur Wegeinstandhaltung zu veröffentlichen:

Es verwundert auch nicht, daß diese regelmäßigen aufwändigen Arbeiten und die Mitwirkung der Bewohner daran seit jeher in einer Satzung geregelt werden mußten. Diese Satzung erließ man dorfweise für einige Jahre:

§ 1
Bei den Gemeindefuhren sind die Fuhren für die Schule und die Ortsarmen wie bisher durch die Hofbesitzer zu leisten.

§ 2
Bei den Wegebesserungen soll künftig eine Änderung eintreten. Die Hofbesitzer sollen gehalten sein, die Wege, auch die der Dorstraße innerhalb ihrer Besitzungen in Stand zu halten. Sie leisten die Fuhren und sollen auch Leute zum Aufladen stellen.

§ 3
Der andere Teil der Dorfwege wird durch die Büdner und Einwohner gemeinschaftlich in Stand gehalten. Alle Büdner, die Fuhrwerke besitzen, leisten die Fuhren zur Wegebesserung. Die Büdner ohne Fuhrwerk statt der Fuhrleistung am ersten Tage an zwei Tagen Handarbeit.

§ 4
Die Einlieger sollen aus ihrer Mitte täglich zwei Mann zum Aufladen nach gegebener Reihenfolge stellen. Im Falle der Behinderung ist an die Gemeinde der Lohn für den angenommenen Arbeiter zu entrichten, wie er für Landarbeiter tarifmäßig festgesetzt ist.

§ 5
Bei Schneeverwehungen im Winter haben die Erbbesitzer die Wege innerhalb ihrer Grundstücke frei zu machen. Das Forstgehöft, Wege, die es bisher zu räumen hatte, die Büdner übernehmen die Wege an ihren Büdnereien und die Einwohner die Wege von den Gemeindeländereien, an den Weg zur Büdnerei XIV von der Straße nach Reddelich zu Hälfte und den Weg zwischen Büdnerei I und Büdnerei X zur Hälfte.

§ 6
Die Instandhaltun der Gräben, Drainen und Brücken bleiben den Besitzern resp. Pächtern, wie bisher auferlegt.

§ 7
Für die geleisteten Hand-und Spanndienste wird irgendwelche Vergütung nicht geleistet.

§ 8
Die Reihenfolge der Fuhrwerksbesitzer und Arbeiter bestimmt der Gemeindevotstand. Diese Ortssatzung tritt mit der öffentlichen Bekanntmachung in Kraft.


Das Protokollbuch der Gemeinde enthält viele diesbezügliche Entragungen. Das ewige Mittel zur Wegebesserung war Kies, mit dem die schadhaften Stellen aufgefüllt wurden. Bestenfalls wurde dort wo durch schwere Ernte- oder Holzfuhren besondere Belastungen einwirkten, sogenannte Knüppel quer zur Fahrbahn als Kofferung unterhalb des Lehm-Kiesgemisches eingebracht. Die problematische Kiesbeschaffung lief gegen Bezahlung bei der Forstverwaltung oder einen Bauern mit eigener Kiesgrube, beispielsweise dem Erbpächter Brinckmann aus Reddelich.

Das erste bekannte Wegebauprojekt in Glashagen, war der Bau eines Schulsteiges 1850. Später im Jahr 1909 wurde ein Weg vom Glashäger Hof I nach Ivendorf gebaut. Der Bau der heutigen Kreisstraße K 11 begann 1909, damals unter der Baubezeichnung Nebenchaussee Doberan- Retschow. 1933 wurde die Dorfstraße durchgehend mit Kopfsteinsteinpflaster gedämmt.Erst das Bodenordnugsverfahren mit den umfassenden Maßnahmen zum ländlichen Wege-und Straßenbau löste für das Dorf und den Hof Glashagen die Straßenproblem umfassend

Beschluß zum Bau eines Schulsteiges

Wie in den meisten Dörfern, die keine Kirche hatten, war auch in Glashagen die Schule das erste öffentliche Gebäude. Mit Inbetriebnahme der Schule wurde auch ein neues Wegekonzept notwendig, um die Erreichbarkeit über öffentliche Wege zu sichern. Innerhalb des Dorfes Glashagen war die Hauptstraße damals unbefestigt , damit in einem Zustand der zu Fuß besonders für Kinder nahezu unbegehbar war. So war die Schaffung eines Steges auf der parallel liegenden etwa zwei Meter höher befindlichen Ackerböschung eine Alternative. Allerdings war dazu die Inanspruchnahme eines Ackerstreifens von den Hufen I, II und III und der Büdnerei № 1 erforderlich. Dazu gab es 1850 eine Zusammenkunft mit der Großherzoglichen Domanialverwaltung im Glashäger Schulzenhaus unter Mitwirkung des höchsten Beamten, des Amtmannes Hundt. Nachfolgend ein Auszug aus dem Protokoll:

Protokollum,
gehalten im Schulzenhause zu Glashagen im Großherzoglichen Amte Doberan
Herrn Geheimen Amtsrat Hundt vom Unterschreibenden ( hier Ribecke).

Unter Pkt. 2)
Als eine dringende Nothwendigkeit ist die Anlegung eines Schulsteiges durch das ganze Dorf anerkannt und wird für den gegebenen Zweck ½ Ruthen von den 3 Wohrten der Hauswirthe südlich der Dorfstraße genommen jedoch sollen die Arbeitskosten aus der Amtskassen bewerkstelligt werden. Aber das dieser Steig auch durch die Büdnerei Nr. 1 laufen muß, und der Büdner Allwardt hiermit finden lassend für den angezeigten Zweck herzugeben aber eine Naturalentschädigung von 22 Quadratruthen aus der Wohrte des Griese ex Nr.126 die ihm eventual. Zu Theil werden soll.

In fidem
Unterschrift Ribecke

Bau einer Wegeverbindung von Hof I nach Ivendorf

[5]

Im Jahr 1908 lesen wir ein Sitzungsprotokoll mit folgendem Inhalt:
Anwesend waren sämtliche Mitglieder. Zur Verhandlung kam die vom Großherzoglichen Amt bezüglich die Gr0ßherzogliche Forstinspektion in Vorschlag gebrachte Wegeverbindung zwischen Glashagen und der Großherzoglichen Forst. Gegen Anlegung eines Weges vom Schulzengehöft bis zur Haushaltungsforst Ivendorf, hat die Gemeinde nichts einzuwenden, jedoch müßten die Kosten für die Ankaufung des Ackers von der Haushaltsforstbehörde allein getragen werden, da die Forst durch die Anschließung mehrerer Dörfer den meisten Nutzen von dem Wege haben wird. Die Gemeinde verpflichtet sich dagegen, den weg in fahrbarem Zustande zu halten und werden die Kosten der dauernden Erhaltung für reichlich angesehen. Der Weg müßte ein möglichst gerader Verkehrsweg bis zur Kröpeliner Landstraße sein, den die Forst auf ihrem Gebiete zu bessern hat.
Vorgelesen, genehmigt. Jürges (Schulze), Rausch (Lehrer), H. Völker (Büdnervertreter), Griese (Erbpächter)

Bau der Nebenchaussee Doberan – Retschow

Am 22. August 1909 schrieb das Großherzogliche Amt:

Protokollausschnitt

Mit eingeholter Zustimmung des Großherzoglichen Ministeriums des Innern wird der Beschluß der dortigen Dorfversammlung vom 23. Juni des Jahres dahin bestätigt, daß, falls das Projekt des Baus einer Nebenchaussee von Doberan nach Retschow zur Ausführung kommt, die dortige Erbpachthufe I zu den auf die Gemeinde Dorf Glashagen fallenden Kosten des Baus und der Erhaltung der Nebenchaussee das doppelte des Beitrages eines jeden der beiden anderen Hufen zahlt.
Das Großherzogliche Amt gez. v. Plessen

[5]

In dieser frühen Planungsphase zum Bau der Chaussee befaßte man sich mit dem abseits liegenden Gehöft der Hufe I . Seine Lage außerhalb des Dorfes hatte eine bedeutend längere straßenbauliche Anbindung der Hufe an die neu zu bauende Chaussee zur Folge als dies bei den Hufen II und III der Fall war, die befanden sich unmittelbar an der Dorfstraße. Daraus resultierten die im obigen Schreiben in Aussicht gestellten doppelten Anschlußkosten. [5]

Am 27. September 1910 wurde unter der Leitung des Amtmannes v. Plessen eine Dorfversammlung abgehalten. Anwesend waren vier Stimmberechtigte damit bestand Beschlußfähigkeit. Es wurde beschlossen:

1.
Die Gemeinde übernimmt die Kosten des Baues der Nebenchaussee Doberan – Retschow zu einem Anteil 511/7150.

2.
Die Gemeinde übernimmt die Kosten der Erhaltung der Nebenchaussee Doberan – Retschow zu einem Anteil von 521/7276.

3.
Der Entwurf der Wegeverbandssatzung ist verlesen und wird genehmigt sollten sich unterschiedliche Änderungen der Satzung vernotwendigen, so wird der Schulze Jürges bevollmächtigt, solche für die Gemeinde zu genehmigen.

4.
Vorstehende Beschlüsse sind einstimmig gefaßt.
Gezeichnet: E. Jürges, Heinrich Griese, Herrmann Griese, H. Völker [5]

28. Mai 1912
Im Schulzenhause des Dorfes Glashagen wurde eine Dorfversammlung abgehalten. Auf der Tagesordnung stand ein Schreiben des Großherzoglichen Amtes zwecks Lieferung der Steine zu der Chaussee Doberan – Retschow auf eigene Kosten.
Vorgelesen, genehmigt E. Jürges, Herrm. Griese, Heinr.Griese, Rausch, Völker [5]

11. Juli 1912
Dorfversammlung im Schulzenhause. Unter Punkt 2. wurde dort beschlossen: Chausseebau Doberan – Retschow. Der Bau in eigener Regie nach den vom Wegeverband ausgearbeiteten Bedingungen wurde von Seiten der Dorfversammlung genehmigt.

28. Mai 1912
Die Gemeinde Glashagen ist bereit, Steine zu 5,75 Mark (Mengenangabe fehlt leider, meist pro Kubikmeter) zu liefern, die sie übergibt (also anfährt). Sollte das genügende Quantum nicht geliefert werden, so wird der auf der Gemeinde Glashagen im Verhältnis zu den anderen Gemeinden fallende Teil in bar zugezahlt. Die im Acker liegenden Steine werden aufgemacht und für 75 Pfennig pro Kubikmeter übergeben.

19. August 1912
Dorfversammlung mit vier anwesenden Mitgliedern, Unterförster Fietensee und Lehrer Rausch fehlten. Die Gemeinde Dorf Glashagen beschloss mit vier Stimmen, ohne Gegenstimme, zum Chausseebau Doberan – Retschow beim Domaninal-Kapitalfundus eine Anleihe von 3.000 Mark zu erwirken, von der die Hälfte (1.500 Mark) zum 1. Oktober 1912 erbeten werden soll, während der Zeitpunkt für die zweite Hälfte einem späteren Termin vorbehalten bleibt. Die Anleihe soll mit jährlich 4 Prozent verzinst und mit 2 Prozent armortisiert (getilgt) werden. Zinsen und Armortisation sollen aus bereiten Vorräten der Gemeindekasse aufgebracht werden.
Vorgelesen, genehmigt, unterschrieben. E. Jürges, Heinrich Griese, H. Völker, H.Griese. [5]

Die 1921er Ortssatzung, in der die Wegenutzung und -pflege geregelt ist, wurde erlassen und beschlossen von einer öffentlichen Dorfversammlung und so zur Kenntnis gegeben:

Ausbau der Dorfstraße durch das Forstamt

Das 19 verlegte Kopfsteinpflaster der Dorfstraße in Glashagen. Blick vom östlichen Ortsausgang zur Kreisstraße
Die Dorfstraße in den 1980-er Jahren.

Aus dem Jahr 1933 ist ein Schriftwechsel zwischen der Gemeinde Dorf Glashagen und dem Forstamt Bad Doberan überliefert. Die Dorfstraße bestand zu dieser Zeit aus einem über lange Zeit festgefahrenen immer wieder aufgeschütteten Kies- Lehmgemisch. Sie war witterungsbedingt vielfach nur per Fuhrwerk passierbar. Der sehr schleche Zustand führte dazu, daß im Jahr 1851 als dringendste Lösung ein befestigter Schulsteg auf der nördlichen Ackerböschung, ab dem östlichen Dorfeingang bis zur Schule angelegt wurde, um besonders den Kindern vom Hof Glashagen das Durchkommen zu ermöglichen. (S. Protokollum vom 30. August 1850 Findbuch Nr. 2.22-10/7 in [1] . 1933 soll endlich eine bleibende Befestigung der gesamten Dorfstraße durch Steindämmung , sog. Kopfsteinpflaster, erfolgen. Nachfolgend Abschriften der Korrespondenz:

Am 13. September 1933 schrieb das Forstamt:

Originalschreiben

An den Gemeindevorstand zu Dorf Glashagen

Da das Forstamt die in seinem Schreiben vom 6. d. Mts. erbetene Gegenbestätigung über die Gemeindebeschlüsse betr. Ausbau der Dorfstraße nicht erhalten hat, ersucht das Forstamt der Einfachheit halber, die anliegende Erklärung von dem gesamten Gemeindevorstand unterschrieben umgehend, d. h. spätestens bis zum 16. d. Mts. zurückzureichen.

Betreffs der nachträglichen Wünsche wegen Abänderung des bereit genehmigten Projektes ersucht das Forstamt vor Weiterem um die Übermittelung eines Gemeindebeschlusses, nach welchem sich die Gemeinde damit einverstanden erklärt, sämtliche durch Abänderung des Projektes entstehende Kosten zu tragen. Nach einer unverbindlichen Auskunft des Straßenbauamtes werden sich die Mehrkosten für einen Sommerweg auf ungefähr 2000 RM belaufen.

Das Projekt und die Kostenaufstellung liegen zu Ihrer Einsichtnahme nach vorheriger Anmeldung im Geschäftszimmer unterzeichneten Forstamtes bereit.

Mecklenburg Schwerinsches Forstamt.
In Vertretung:

Die Gemeinde Dorf Glashagen erklärt am 16. September 1933 folgendes:

Originalschreiben

1.
Das Forstamt Bad Doberan ist von der Gemeinde zum Ausbau der Dorfstraße auf Gemeindegebiet bevollmächtigt.

2.
Die Gemeinde verpflichtet sich, für Verzinsung und Amortisation des Baukostendarlehns 20 Jahre hindurch 400 RM (Vierhundert Reichsmark) jährlich zu zahlen. Die Zahlungen werden fällig, sobald sie von der Rentenbank- Kreditanstalt angefordert werden, wobei jeweilig der Gemeinde vom Forstamt Nachricht gegeben wird.

3.
Die Gemeinde verpflichtet sich, die ausgebaute Dorfstraße künftig zu unterhalten.

4.
Die einzelnen Besitzer verpflichten sich, für den Bau des beabsichtigten Steindammes etwa benötigtes Gelände ohne jegliche Vergütung ebenso wie die auf der Feldmark vorhandenen Steine zur Verfügung zu stellen.

5.
Die Steinmauer auf dem Schulgehöft wird gegen einen guten Zaun aus Schalborten geliefert.

6.
Die beim Bau des Steindammes ausgerodeten Weiden und Pappeln pp stehen zur Verfügung der einzelnen Besitzer und werden von diesen auf eigene Kosten fortgeschafft.

[5]

Nachtrag im Protokoll der Dorfversammlung vom:

Nach soeben eingegangener ministerieller Anweisung wird mit dem Ausbau der Dorfstraße umgehend begonnen. Falls etwaige Wünsche der Gemeinde auf Abänderung des Projektes (Ausbau eines Sommerweges pp.) Berücksichtigung finden sollen, ist es notwendig, einen diesbezüglichen Beschluß in oben dargelegtem Sinne unverzüglich herbeizuführen und ebenfalls bis zum 16. d. Mts. hier vorzulegen.

[5]

Vorausgegangen war am 7. Sepember 1931 die Nennung eines Kostenanschlages von 25.000 Mark durch den Amtsbaumeister betreffs der Dämmung der Dorfstraße. Antwort: Die Forst will nur 4.000 Mark zugeben. Dies genügt nach Ansicht der Gemeindevertreter nicht. Das Forstamt soll aufgefordert werden, mindestens die Hälfte der Kosten zu übernehmen. „Falls Forstamt will diesem Vorschlag nicht näher treten muß die Dämmung unterbleiben wegen zu hoher Kosten.“ Es folgen die Unterschriften:
Griese, Heiden, Ross, Strübing, Hennings und L.Niemann [5]

Wegebau nach dem Beitritt Glashagens zur BRD 1990

Artikel aktualisiert am 16.09.2020