1994-Bodenordnungsverfahren

1994 wurde für Glashagen ein Bodenordnungsverfahren eröffnet. Grundlage war der Rahmenplan der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes.“ Das Amt für Landwirtschaft Rostock war federführend. Das betraf sowohl die Dorferneuerungsplanung als auch die Betreuung der Zuwendungsempfänger. Gegenstände des Bo-verfahrens waren: Die Verbesserung der Lebens-und Arbeitsbedingungen.

Einladung zur Eröffnung des Verfahrens. Für mehr Informationen ins Bild klicken.

Dazu in einem öffentlichen Abschnitt: In diesem Rahmen stand auf der Basis des Flubereinigungsgesetzes eine vollständige Überarbeitung der bestehenden Dorfvermessung an. Offiziell hieß es dazu:

In dem Verfahren sind unter vorrangiger Beachtung der Eigentümerwünsche die Grunsstücke in der Orts-und Feldlage zu ordnen. Im Ergebnis werden übersichtliche, neu vermessene Grundstücke mit bekannten Grenzen ausgewiesen. Es wird darauf hingewiesen, dass die im Verfahren vorgenommenen Handlungen frei von Gebühren , Steuern, sonstigen Kosten und Abgaben sind.

Die erklärte Absicht war die Erhaltung und gegebenenfalls, Verbesserung der vorhandenen Siedlungsstrukturen. Die Erneuerung sowie Erweiterung und verkehrstechnische Optimierung der ländlichen Wege und Straßen. Weiter in einem weitgehendst die private Bausubstanz betreffenden privaten Abschnitt: Die Verbesserung der äußeren Bausubstanz aller Wohngebäude ( Dächer, Fassaden und Türen sowie Fenster) unter Beachtung moderner Wärmeisolation.

Entspechend den Vorgaben des Verfahrens wurden die teilnehmenden Einwohner durch einen Vorstand vertreten. Für den Gemeindeortsteil Glashagen sind es die örtlichen Vertreter Prof. Dr. Gerhard Gierke Hufe No. I und Ernst Niemann Büdnerei 4a. Den Vorsitz über den Vorstand der Gesamtgemeinde hat der ehemalige und langjährige Bürgermeister Hartmut Schweitzer. Für das Amt für Landwirtschaft stehen Dr. Frenkel als verantwortlicher Beamter und Frau Bethge und Frau Glas0w als Sachbearbeiterinnen und Betreuerinnen der Zuwendungsempfänger zur Verfügung.

Das Prinzip ist eine Prüfung der Förderwürdigkeit der gewünschten Maßnahme und bei Zustimmung eine Kostenbeteiligung des Amtes. Von einer selbst eingesetzten Bausumme zahlte das Amt 60% später 50% bis maximal 40.000 DM pro Antragsteller. In den Jahren 1994 bis 1996 wurden in der Gesamtgemeinde 1,4 Mio Mark ausgereicht, die wiederum Investitionen von etwa 3 Mio auslösten. Die Summe verteilte sich auf fast 70 Empfänger. In einer Zusammenstellung für Glashagen Dorf, Hof und Ausbau wurde über den Zeitraum 1994-1998 von 17 Maßnahmen gesprochen. [49] Diese beinhalten sieben Dachdeckungen, davon zwei Reetdächer; dreizehn Fassaden, überwiegend mit Wärmedämmung, 9 Türen und 77 Fenster. Das Verfahren war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen und weitere Zahlungen werden erfolgt sein.

Den sog. öffentlichen Teil der Dorferneuerung, der sich mit dem ländlichen Wegebau befaßte, beschriebt Professor Gierke 1998 als direkter Sachkenner wie folgt:

Im Rahmen des ländlichen Wegebaues standen die Erneuerung der Dorfstraße und die Zufahrten zum Hof Glashagen und bis zum Ausbau im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. 1994 war das Jahr der ingenieurtechnischen Vorbereitungen. Sehr widersprüchliche Diskussionen gab es um die Dorfstraße. So wurde beispielsweise darüber debattiert, ob der Gehweg nördlich oder südlicherseit angelegt werden sollte, bis schließlich der südlichen der Vorrang gegeben wurde, denn der alte Schul-und Kirchsteig war ursprünglich nördlicherseits.

Häufigen Streit gab es um die gleiche Dorfstraße. Der Bürgermeister, Mitglieder der Gemeindevertretung, des Bodenordnungsverfahrens und alteingesessene Bewohner plädierten für eine gepflasterte Dorfstraße, da sie für viele Bewohner ein traditioneller Begriff ist. Aus den alten Pflastersteinen, die hier seit 1912 lagen und durch Zukauf weiterer sollte die alte Dorfstraße erhalten bleiben. Das hätte zwangsläufig zu einem sehr hohen finanziellen Aufwand geführt, den scließlich niemand tragen wollte. Da Fördermittel nicht ständig und unbegrenzt zur Verfügung stehen, mußte letzlich für die kostengünstigere Variante entschieden werden. Da sich sich seit Jahren die unbefestigten Wege zum Hof und bis zum Ausbau Glashagen in einem sehr schlechten Zustand befanden und immer wieder neue Reparaturkosten von der Gemeinde abverlangten, hatte diese Baumaßnahme besondere Priorität im Herbst 1995. 1996 verlagerte sich der Schwerpunkt auf die Dorfstraße. Somit wurden in den beiden Jahren 1995/96 in unserem Dorf insgesamt 2234 Meter Straßen und 1045 Meter Gehwege völlig neu gestaltet.

Die mit einer Schwarzdecke versehenen Straßen haben alle eine Fahrbreite von 3,0 Meter. Mit dem ländlichen Wegebau waren zur Entwässerung, das Legen von Rohrleitungen und Grabenarbeiten verbunden. Ausweichstellen, Acker-und Gehöftsauffahrten mußten festgelegt werden, sowie Arbeiten der Landschaftspflege getätigt werden.

Die 1,20 Meter breiten befahrbaren Gehwege geben dem Straßenbild einen breiten Blickfang. Zum gesamten Komplex aller Baumaßnahmen gehörten gleichzeitig die Neugestaltung der beiden Bushaltestellen, insbesodere die an der Dorfstraße, mit einer gelungenen Anbindung an die Retschower Chaussee. Die völlige Neuprojektierung war gekoppelt an die Klärung der Eigentumsfrage an Grund und Boden. Die Eigentümerin Annegret Bicker, stellt eine Fläche von etwa 900 Quadratmeter der Gemeinde kostenlos zur Verfügung. Durch Entwässerungsarbeiten, den Bau eines neuen Wartehäuschens sowie durch Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern ist eine hübsche Bushaltestelle als Eingangstor in ein altes Reihendorf entstanden.

Da ein solches Baugeschehen in einem so kleinen Dorf nicht alltäglich ist, vielleicht nur einmal in mehreren Jahrzehnten, erscheint es uns angebracht, allen Beteiligten aufrichtig zu damken, dem Amt für Landwirtschaft Bützow, dem Ingenieurbüro Voß/Mudrock aus Marlow, dem Baubetrieb IHB Wismar-Erd-und Tiefbau GmbH und allen Hauseigentümern, die alle zur Verschönerung unseres Ortes beigetragen haben.

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Artikel aktualisiert am 05.08.2020