Berufe und andere Tätigkeiten der Dorfbewohner.

Naturgemäß sind die allgemeinen äußeren Bedingungen und die Lage und Geschichte eines Dorfes und Hofes maßgebend für die zu erwartenden Tätigkeiten seiner Bewohner. Hier sind es zuerst Ackerbau und Viehzucht und dann das Kloster und der nahe Wald. Halten wir uns an urkundlich zu Belegendes, dann waren es im Jahr 1312 also eine kleine bunt zusammgewürfelte Schar Bewohner. Die genannte Mühle war zweifellos die Badenmühle und wird dem Kloster zugeordnet werden müssen, wie auch der Schütze im Auftrag des Klosters, dem damaligen Grundherren gedient haben wird. (siehe auch: 1312: mittelalterlicher Siedlungsnachweis)

In der Zeit der Besiedelung bestand die Bevölkerung, wie überall in den neu gegründeten Dörfern, zunächst einmal aus Bauern und Cossaten (Kleinbauern ohne Pferde) sowie einem Vorsteher, später Schulze (zuerst noch Hagemeister oder Bauermeister) der ebenfalls Landwirtschaft betrieb. Sie waren die ersten Bewohner für lange Zeiten. Obwohl sicher ist, dass sich im Gefolge der Siedler auch Handwerker befanden, werden diese nirgends genannt. Vielleicht wird ihr zweifelllos vorhandener Bedarf durch die Möglichkeiten des Klosters gedeckt worden sein. (siehe auch: Schulzen, Bürgermeister und Gemeindevertretungen)

Im Laufe der Geschichte machte wohl unterschiedlich gr0ßer Landbesitz und damit eine Präzisierung des Abgabenwesens eine weitere Unterscheidung erforderlich, man unterschied die Bauern zwischen Hüfnern von 1/1; 1/2; 1/4; 1/8 Größe usw..

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgte eine Neuaufteilung der Dorffeldmarken durch Zusammenlegung der Flächen. Zu diesem Zeitpunkt entstanden die drei Hufen unseres Dorfes mit jewels ca einer Größe von etwa 40 Hektar. Die Bauern bezeichnete man als Hauswirthe (Zeitpächter) und es gab erste Büdner und Häusler. In Glashagen war das gemeinsame Hüten von Rindern und Schafen auf einer Dorfweide üblich. Die Nennung eines Hirtenkatens in den alten Unterlagen bringt uns auf die Spur eines Hirten für das Dorf. Durch die Entwicklung der Wirtschaftsweise erweiterte sowohl auf den drei Hufen im Dorf, als besonders aber auf dem Hof Glashagen entstanden einige an eine unterschiedliche Tätigkeit gebundene Arbeitsplätze , wie Tagelöhner, Hofgänger und Knechte (manchmal Erster oder auch Großknecht, Pferdeknecht, Kutscher, Drescher), oder in der Viehzucht Schäfer, Melker und Schweitzer. Man unterschied nun diese Stellungen auf dem jeweiligen Hof, nach dieser wurde man bezahlt und manchmal auch unterschiedlich komfortabel untergebracht, zahlte seine Steuern und sonstigen Abgaben an die Gemeinde, wie beispielsweise das Schulgeld und die kirchlichen Verpflichtungen.

Eine besondere diesbezügliche Stellung nahmen die Leute auf dem Hof Glashagen ein. Die Ergebnisse zweier Volkszählungen im 19. Jahrhundert geben einige gute Einblicke in die damalige Hirarchie.

Lehrberufe in eigentliche Sinne, wie bei der Handwerkern waren das un der Landwirtschaft noch nicht nämlich vom Jungen, dann zum Lehrling bis zum Gesellen oder Meister waren das nicht. Man arbeitete sich hoch vom Hofjungen oder Hofgänger über die genannten verschiedenen Stufen. Der Ehrgeiz wurde vor allem durch eine unterschiedliche Entlohnung gefördert. Bei den Frauen waren es in der untersten Stufe die Dienstmädchen, Stubenmädchen oder Mägde und später auf dem Hof Köchin oder sogar Mamsell. (siehe auch: Die Volkszählungen von 1867 und 1900)

Prinzipiell wurde eine hohe Austauschbarkeit angestrebt, das brachten besonders die jahreszeitlichen Abläufe mit sich. Zur Zeit der intensiven Frühjahrsbestellung, besonders aber in der Erntezeit war jede Hand wochenlang gebraucht.

Im 19. Jahrhundert erschien in ganz Mecklenburg der Arbeitsmann als der zahlenmäßig häufigst genannte Beruf im Dorf. In offiziellen Zählungen, Rekrutenlisten , Urkunden o. ä. findet man ihn. Von ihm konnte man davon ausgehen, dass er in der Landwirtschaft und im Handwerk universell einsetzbar war und am niedrigsten bezahlt wurde. Nach landläufiger Auffasung war er ungelernt. Obwohl er oder sie, wie die Lebesläufe zeigen, die eine oder andere Stellung für eine bestimte Zeit innegehabt hatten. Das galt durchaus auch für die Häusler, Büdner und Bauern.

Im Forsthaus lebten noch die Förster mit ihren wechselden Berufsbezeichnungen, wie Amtsförster, Revierförster, Unterförster, Stationsjäger und Holzwärter. Sie hatten ein eigenes in der Großherzoglichen Regierung in Schwerin beginnendes Unterstellungsverhältnis, das über die Zeit überwiegend im Innenministerium eingeordnet war. Zur Vergütung gehörte die Unterbringung im Forsthaus und eine der Funktionsstufe unterschiedliche große landwirtschaftliche Fläche und auch bei ihnen das Holzdeputat. (siehe auch: Holzwärter und Förster)

Die Handwerker im Dorf:

Wie überall lassen sich in Glahagen erst mittels der Volkszählungen Handwerker nachweisen. Es muss erwähnt werden dass jedem Bauern nachgesagt wird, dass er schon immer über eine große handwerkliche Begabung und einiges Geschick verfügte um all das was er zum Dasein brauchte, möglichst selbst herzustellen oder wenigstens zu reparieren. Die Handwerke auf den Dörfen waren grundsätzlich auf das eingestellt, was die kleine Dorfgemeinschaft benötigte, wie: Kleidung und Schuhe und die Rohstoffe zur Tuch- und Lederherstellung und der Fertigung , der Bauer hatte sie. Der Flachs- und Leinanbau sowie das Spinnen der Schafwolle und Weben der entsprechenden Tuche besorgten die Familien der Bauern weitgehendst selbst. Sie hielten diese Fähigkeiten selbst dann noch aufrecht, als sich längst schon die ersten Handwerker in den Flecken und Städten niedergelassen hatten. Tatsächlich ist es der zu alter Zeit zahlenmäßig größten Bevölkerungsgruppe, den Bauern und ihren Familien auch am längsten gelungen ihre diesbezügliche Selbständigkeit zu behalten. Noch in den 1850-er Jahren gab es wohl keinen Haushalt ohne ein Spinnrad und einen Webstuhl, mehrere, später einen Backofen pro Dorf. Das Schlachten fand in jedem Haushalt mindestens einmal jährlich in eigener Regie statt.

Ähnlich verhielt es sich mit den holzverarbeitenden Gewerben, die dem wichtigen Bereich der Zimmerei und Tischlerei und die Fertigung von Küchenausrüstung, wie Schüsseln, Löffel und Werkzeugfertigung zum Hausbaues, und der Stellmacherei zum Wagen-und Kistenbaubau abdeckten und die Sattler und Riemer, die die entsprechenden Geschirre für Pferd, Ochse und Kuh fertigten.

Etwas anderes war der Umgang mit den Metallen, der von Anfang an den Schmieden vorbehalten war, sie konnte man nicht ohne weiteres ersetzen, zu besonders war dieses Handwerk. Deshalb an dieser Stelle etwas zur Beschreibung. Allein durch die Erzeugung der sehr hohen Arbeitstemperatur und ihr Einfluß auf die Festigkeit des Materials gehörte ein spezielles Wisse.. Daneben das handwerkliche Können zur Fertigung der vielen verschiedenen Gegenstände, angefangen bei Nägeln, Schrauben und Krampen, Schlössern, Achsen, Ringen, Reifen und Naben beim Wagenbau. Hufeisen, und Beschlägen an Pferde- und Ochsengeschirren. Pflüge und Eggen, alle Handwerkzeuge, wie Forken, Schaufeln, Spaten und Sensen und vor allem das Wissen um die Funktion und die Ansprüche an des Material. Ohne Zweifel war ein Schmied, in irgend einer Weise an allen anderen Handwerken beteiligt. Zwangsläufig waren mindestens alle beschriebenen Handwerker schon zur Zeit der Besiedelung im 14. Jahrhundert in Begleitung der Bauern ins Land gekommen.

Natürlich gab zu dieser Zeit in den Flecken und Städten schon viele Jahre eine organisierte Handwerkerschaft, die dort neben den Händlern den meisten Reichtum produzierten und damit die meisten Abgaben zahlten. Sie waren längst in Gilden und Zünften organisiert (in Rostock bereits im 13. Jahrhundert) und und ihre Vertreter saßen in den Magistraten der Städte und die Bürgermeister aller größeren Städte bildeten einen der drei Machtblöcke im Landtag. Mit den Zünften gab es Organisationsformen die von der Mitgliedschaft über die Ausbildung ihres Nachwuchses, die Preisgestaltung ihrer Erzeugnisse, die Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen ihrer Mitglieder bis hin zur Reservierung der Kirchenstühle ihrer Zunftmeister, alles kontrollierten.

In der Polizeiordnung von 1572 wurde das gesamte Handwerk mit einem eigenen Block bedacht, in dem es noch keinen Unterscheidung von städtischen und den Handwerkern auf dem platten Lande gibt . Es ging nur um eine erstaunlich kleinteilige Regelung der Preise für die wichtigsten Handwerksleistungen und Waren für die damaligen Berufe. Während die Zünfte mit dieser Preisbindung an gewisse Grenzen des Geldverdienens gekommen waren, hatten die Handwerker auf dem Lande freies Spiel.

Offensichtlich mischten die auf dem Lande tätigen Handwerker und Händler in der Gunst um die Kundschaft in den Flecken und Städten auf der Märkten nun tüchtig mit und gaben den Zunfthandwerkern hier und dort das Nachsehen.

Keinesfalls war von nun an die Niederlassung von Handwerkern auf den Dörfern frei, sondern durch den Landes-Grund-Gesetzlichen-Erb-Vergleich(LGGEV) von 1755 geregelt. Dieser unterstützt und bevorteilt die in den Städten bestehenden mächtigen Zünfte zum Nachteil der Dorfbewohner. (siehe auch: Ständischer Erbvergleich LGGEV von 1755)

Ein Gesetz vom 15. Mai 1863 lockert die Duldung der Handwerker auf dem Lande: Die Ausübung der Gewerbe ist im wesentlichen ein Privileg der Städte nur die Domanialflecken sind Städten gleichgestellt indem die Gewerbe erweitert werden um: 1 Schuhflicker ohne Gesellen, jedoch daß dieser nicht neue Schusterarbeit, wie sie Namen haben mag, zu machen sich unterfange.1 Grobschmied mit 3 Gesellen, 1 Grobrademacher mit 1 Gesellen, 1 Grobleinenweber, 1 Bauernschneider mit einem Gesellen, 1 Tischler mit ohne Gesellen und 1 Zimmermann mit 1 Gesellen. Kaufleute, Krämer, Höker und Produktenhändler dürfen auf dem Lande überall nicht wohnen. Die Amtspolizeibehörden haben von Amtswegen bei eigener Verantwortlichkeit die stricte Beachtung der vorgedachten Bestimmungen zu überwachen und gegen die Contravenienten (Zuwiderhandelnder, Gesetzesbrecher) willkürliche Strafen zu erkennen.

Aus den beiden Volkszählungen 1867 und 1900 sind uns im Zeitraum von Mitte des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts: 5 Maurer, 1 Weber, 1 Schneider/in , 1 Näherin, 1 Fischhändler, 1 Postbeamten in Glashagen genannt. [28] Im Jahr 1871 zieht der Schustermeister Carl Mahn aus Doberan beim Büdner Uplegger ein. [05]

1833 Bittschrift der Schneiderwitwe Bull an Großherzogliche Amt

Artikel aktualisiert am 04.03.2021