Flurnamen um Glashagen Hof und Dorf herum

Flurnamen sind Ortsbezeichnungen innerhalb einer Gemeindeflur, die eine allgemeine oder genauere Ortsbestimmung zulassen. Innerhalb der Kommunikation der Menschen bei der Beschreibung eines bestimmten Ortes oder auch der Abfassung von Verträgen haben sie von alters her und gerade früher eine sehr wichtige Rolle gespielt. Die Auffindung bestimmter frei in der Natur liegender Flächen war nur so möglich.

Wir erinnern uns an die geschichtliche Entwicklung des Feldbaus. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde auf den Dörfern die Wirtschaft auf unzähligen kleinteiligen Ackerflächen abgeschafft, die Flächen zusammengefaßt und in Hufen gelegt. (Reguliert) Die Flurnamen haben unterschiedliche manchmal aussagekräftige Bezüge . Häufig die Landschaft beschreibende, wie Wiesen, Weiden, Moore, Büsche, Bäume, Gräben, Teiche usw.. Manchmal auch Ereignisse oder Namen von Personen oder Tieren. Meistens sind sie an die ortsgebundenen Dialekte und Ausdrucksweisen gebunden, möglichst von einer gewissen Unverwechselbarkeit. Allerdings sehen wir in den Regulierungsregistern anläßlich der amtlichen Vermessungen und Bonitierungen keine Verwendung der Flurnamen sondern umständliche geographische Umschreibungen für die oft zahlreichen unterschiedlichen kleinen Acker, Wiesen-und Weidenstücke.

Die in unserer Gegend dankenswerter Weise recht zahlreich überlieferten Flurnamen sind in dem hier beschriebenen Gebiet in keinem Fall wendischen Ursprungs, wie gelegentlich anderswo. Auch unterliegen sie mit der Zeit sprachlichen Verwischungen. Ohne Zweifel eignen sich Flurnamen und ihre Deutung besonders in weiteren Zusammenhängen zur Ableitung einiger Rückschlüsse auf das Leben unserer Vorfahren. Die Flurnamenforschung ist ein spezielles Gebiet der Heimatkunde. Aus verschiedensten Gründen sind schon zu sehr früher Zeit Karten und Verzeichnisse gefertigt worden bis hin zu Meßtischblättern, ausgestattet mit genauesten zeitgemäßen Koordinatensystemen.

Wir verfügen gegenwärtig über zwei überlieferte Listen von Flurnamen, die unter Mitwirkung von ortskundigen Gewährsleuten aufgestellt wurden. Dem Gutsbesitzer des Hofes Glashagen, 1906 bis 1912, Hans von Blücher , Ordentliches Mitglied des Vereins für Mecklenburgische Geschichte (Nennung in 1908er Mitgliederliste) verdanken wir die Liste der Flurnamen für den Hof Glashagen. Herr von Blücher beruft sich seinerseits auf den 1871 geborenen und im Wirtschaftsgebäude wohnenden ledigen Pferdeknecht Fritz Bohsack oder den mit seiner Familie im Katen 1 wohnenden 1850 geborenen Vorarbeiter Carl Bohsack. Beide erscheinen aus Anlaß der Volkszählung 1900 auf der offiziellen Zählliste.[28] Eine weitere Liste der Flurnamen für das Dorf Glashagen hat der Förster Fietensee aufgestellt, der von 1899 bis 1930 hier gedient hat. Die hier gemachte Wiedergabe geschieht so wie übernommen, einschließlich der gelegentlichen Beifügungen.

Eine dritte kleine Aufstellung von Flurnamen in unserer Gegend entnehme ich einer aktuelleren Quelle, aus den 1980er Jahren . Diese Karte, die sicherlich einmal unter Zuhilfenahme noch älterer ausgesprochener Jagdkarten gezeichnet worden ist, zeigt das Gebiet der Jagdgenossenschaft Retschow. Es sind etwa dreißig Namen aufgeführt und erstaunlicherweise keine gleichlautenden aus den beiden anderen Listen dabei. Offensichtlich gab es getrennte Flurnamen, die jeweils für den landwirtschaftlichen oder den jagdlichen Gebrauch angewendet wurden. Auf der Karte Jagdgenossenschaft Retschow sind alle Namen in hochdeutscher Sprache genannt, während alle anderen in Niederdeutsch (Plattdeutsch) gehalten sind. Die heutigen Jagdpächter gehören im übrigen zu den letzten Bewohnern, die noch heute Flurnamen (manchmal sogar die alten) untereinander gebrauchen. Es ist gelegentlich möglich daß man im Redegebrauch heute ganz andere, selbsterfundene neue oder umbenannte Namen benutzt werden, die den gleichen Zweck wie die früheren erfüllen.- Auch eine Eigenschaft der Flurnamen.

Für Glashagen Hof die Flurnamen

  1. Möhlenhurn (Mühlenhorn)
  2. Düvelsbarg (Teufelsberg)
  3. Krakenblock (Krähenblock)
  4. Winkellerbarg (Weinkellerberg)
  5. Winkeller (Weinkeller)
  6. Goldbäk (Goldbach)
  7. Henningsbruch
  8. Henningsbruchsblock
  9. Henningshof
  10. Wiedenlockblock (Weidenlochfeld)
  11. Wiedenlock (Weidenloch)
  12. Licken-oder Litenbarg ()
  13. Schapwasch (Schafwäsche)
  14. Schapwaschblock
  15. Wullock (Wollloch)
  16. Schwarten Moor (Schwarzes Moor)
  17. Dunnerbarg (Donnerberg)
  18. Blankenpaul
  19. Krumm Mur (krummes Moor)
  20. Schäpersal (Schäfersal)
  21. Dreiblattslockblock (Feld am Dreiblattsloch)
  22. Antenlock (Entenloch)
  23. Liten oder Likengraben
  24. Mergelblock (Mergelfeld)
  25. Kielschlag (Keilacker)
  26. Kivittblock (Kiebitzfeld)
  27. Kaninkenlock (Kaninchenloch)
  28. Kaninkenblock (Kaninchenfeld)
  29. Dodenlock (Totenloch)

  1. Kahlen-Eik (Kahle Eiche)
  2. Klocktorm-Schesenlock (Uhrenturm-Kutschenloch)
  3. das Lange Räd (Lange Rede)
  4. Schelplock (Schelploch)
  5. Nätkuhl (Nasse Kuhle)
  6. Nätblock (Nasses Feld)
  7. Rappelkuhl (Rappel= verrücktes Gehabe- Kuhle)
  8. Schäperdiksblock (Schäferteichsfeld)
  9. Grundlos Muhs ()
  10. Witten Heck (Weiße Hecke)
  11. Schäperdik (Schäferteich)
  12. Backabenblock (Backofenfeld)
  13. Widensollblock (Weidensollfeld)
  14. Widensoll (Weidensoll)
  15. Wüstenholt (Wüste Holzung)
  16. Stikkelbiirkul (Stachelbeerkule)
  17. De Quäk (Die Quecke (Unkraut))
  18. Waaken ()
  19. Plüggenkoep ()
  20. Galgenbarg (Galgenberg)
  21. Stülowsche Handwiserblock (Stülowsches Handweiserfeld)
  22. Schwanenhals
  23. Englisch-Gohren (Englischer Garten)
  24. Schlopplock (Schlafloch)
  25. Tempelhäger Stieg
  26. Tempelhagen
  27. Drei Böhm (Drei Bäume)

Für Glashagen Dorf die Flurnamen

  1. Ollendeelsmuhr
  2. Baakwisch
  3. Bohrenbarg
  4. Bottermähl (Katen)
  5. Brandmoor
  6. Fetthamelsoll
  7. Fischpaul
  1. Gooskuhl
  2. Kampsbarg
  3. Landenmoor
  4. Quärk
  5. Scheerenbarg
  6. Vossmoor

Zur Deutung der Flurnamen hat Karl Baumgarten [9] 1946 einige Bemerkungen gemacht: Zu der Liste Hof, die lfd. Nr. 1 grenzt an die Stülower „Badenmühle“; zu 4.und 5. am Südhang bauten die Mönche vermutlich ihren Wein; zu 7.-8a nach einem Bauern Henning; 11. sollen Urnen gefunden sein- vermutlich aber wohl lit=Abhang; 31. Der Sohn des Arbeiters Garve ist dort in den 30er Jahren im Eise eingebrochen; 35. vermutlich von Ried=Bach; 37. sollen Nüsse gefunden sein, vermutlich aber von Röt=Kuhl (vom Flachsrösten); 47. von quöken,quaken, winseln; 48. und 49. zwei Bauernnamen; 57. angeblich alter Name von Glashagen, gedeutet als alter wendischer Tempelbezirk.

Der häufig vorkommende Begriff „Block„wurde in mitelalterlichen Flurverfassungen für einen Ackerstreifen (oft durch Beinamen näher bestimmt) innerhalb einer zusammenhängenden unregelmäßigen Fläche bezeichnet. (50) Diese Ackerstreifen hatten einen regelmäßigen gut zu bearbeitenden Zuschnitt erhalten und waren dann verpachtet worden.

Ins Hochdeutsche gebrachte Flurnamen des Dorfes: 1. Altenteilsmoor, 2. großer,kräftiger Bursche Wiese, 3. Bohrenberg, 4. Buttermehl, 8. Gänsekuhle, 9. Ackerberg.

Aus der Karte der Jagdgenossenschaft Retschow entnommene Flurnamen

Auf der Feldmark der Hufe I liegen: 1. Langes Moor 2. Fuchsmoor. Hufe II : 3. Bauter Bruch. Hufe III: 4. Schön Wisch.

In der Gesamtforst befinden sich (ungeordnet): 5. Papenmoor 6. Großes Fahlenmoor 7. Kleines Fahlenmoor 8. Großer Pannenstehr 9. Voßmoor 10. Boldebas Grund 11. Rethmoor 12. Hirtenwiese 13. Landwegsmoor 14. Blanksoll 15. Scheidensoll 16. Krohnsmoor 17.Rügenmoor 18.Hohes Holz 19. Hohes Moor 20. Schulbuschwiese 21. Ochsenhals 22. Wakenkammer 23. Bullmannskoppel 24. Großes Böckmoor 25. Fichtenkammer 26. Rehhorst 27. Buchenberg 28. Kleines Fahlenmoor 29. Kleine Lille 30. Käter Dim 31. Pepersberg 32.Snakenbarg 33. Bornberg 34. Biester Wisch 35. Bit Heidenholt.

Artikel aktualisiert am 20.07.2020