Das Kloster Doberan und die Rolle der Zisterzienser


Das Kloster Doberan und die Rolle der Zisterzienser. G.C.F. Lisch u.a.. [13] 1848

Idee und Mittel zur Kolonialisierung

Das Hauptstreben der Eroberer der deutschen Wendenländer im 11. und 12. Jahrhundert ging dahin, den von den Slaven bewohnten östlichen Landesteil der, seit Jahrhunderten das Augenmerk der deutschen Kaiser gewesen war, endlich deutsch zu machen. Das hieß neben der Unterwerfung der slavische Fürsten deutsche Eigentümlichkeit und Gewohnheit auf die Bewohner zu übertragen. Das durchaus streibare Volk der Slaven mit mehreren Stämmen im Nordosten beheimatet, hielt lange Zeit den vielfachen Eroberungsversuchen stand. Allein mit roher Gewalt war die Eroberung nicht gelungen. Etwas Neues mußte her. Die Eroberung des Wendenlandes erfolgte diesmal durch die Besiedelung in Einheit mit der Christianisierung.

Der Sachsenkaiser Heinrich der Löwe hatte den Willen und die Macht zur Umsetzung eines solchen Vorhabens. Nach seinem Plan sollten zwei geistliche Stiftungen zu diesem Zwecke dienen, nämlich der Johanniterorden und die Zisterzienser. Die Rechnung ging nach mehreren in der Vergangenheit fehlgeschlagenen Versuchen endlich auf. Mecklenburg verdankt diesen beiden Orden die Verbreitung des christlichen Glaubens und größtenteils die Umwandlung in ein deutsches Land.

Der letzte wendische Fürst in unserem Land, war der Wendenfürst Pribislav, ein Heide. Er war von Heinrich dem Löwen als Verwalter des Landes wieder eingesetzt worden, nachdem sein Vater, der Stammvater des Wendengeschlechtes Fürst Niclot, von Heinrich im Kampf besiegt wurde und gefallen war. Nun mag es Überlebenswille des besiegten Pribislaws oder die Überredungskunst des Zisterzienserbischofs namens Berno gewesen sein, die Pribislav vom christlichen Glauben überzeugte und im Jahr 1166 im Kloster St. Michael in Lüneburg in die christliche Taufe einwilligte. Mit dieser Handlung, von Berno selbst vorgenommen, war der Übertritt des Wendenfürsten Pribislav zum Christentum vollzogen. Die Verbindung dieser beiden Männer sollte sich segensreich auf die Christianisierung und die Kolonianisierung Mecklenburgs auswirken.

Bald nach seiner Taufe entschloss sich der Obotrietenfürst Pribislav auf Anregung Bernos 1171 ein Zisterzienserkloster zu gründen und mit Mönchen aus Amelungsborn zu besetzen. Eine große Gottgefälligkeit des Landesfürsten von der man sich dazumal persönliches Seelenheil versprach. Die Erlangung des Seelenheils war die Motivation, die bald zu den großzügisten Überlassungen großer Landgebiete einschließlich der dort befindlichen Dörfer führen sollte. Eine wirtschaftliche Ertüchtigung des Klosters, die sein Gedeihen sicherte.

Fürst Pribislav, stattete das Kloster unmittelbar nach seiner Gründung unter anderem mit den Dörfern Althof, (dem ersten Klostersitz), Parkentin, Wilsen, Doberan, Hohenfelde, Stülow, Kröpelin und Reddelich aus.

Die erste Gründung eines Klosters in Althof

In Althof dem ersten Gründungsplatz befand sich der fürstliche Wendenhof Doberan mit allen Prädikaten wendischer Kultur, ein damaliges Glaubenszentrum. Hier hatte ein Götzenbild des Wendenfürsten Radegast gestanden. Pribislav selbst war es der dieses Heiligtum stürzte und seine Reliquien rücksichtslos zerstörte. An diesem Ort wurde das erste Kloster im Jahr 1171 gegründet . Eine Gruppe von 12 Mönchen geführt durch den Abt Conrad traf nach langem Marsch aus dem im Weserland gelegenen Mutterkloster Amelungsborn in unweit von Doberan in Althof ein. Getreu der Satzung des Ordens mussten zu einer Klosterneugründung ein Bethaus, das Speisehaus, einen Herberge für Gäste und ein Pförtnerhaus vorhanden sein. Wieder hatte Pribislav diese ersten Siedlungbedingungen zur Unterkunft der Ankömmlinge selbst getroffen. Man widmete das Kloster der Heiligen Jungfrau und dem Heiligen Sankt Nicolaus, dem Schutzherren der Seefahrer. Woizlawa, die Gemahlin Pribislavs wurde nicht nur dem Schutz des Klosters anvertraut, ihr kann sogar erheblicher Einfluß auf das Ganze zugesprochen werden. (Laut einer Grabinschrift sogar die Beeinflussung ihres Gatten Pribislav zur Klostergründung).

Die Umgebung bot dem jungen Konvent mit dem nahen Doberbach günstige Voraussetzungen zur beabsichtigten Entfaltung. Das dünn besiedelte Land war reich an Wasser und fruchtbarem Boden. Die Rodung und Trockenlegung des Unlandes und das Vorhandensein von Bächen waren der Anlage von Wassermühlen und Fischteichen dienlich. Alles entsprach den Wünschen und idealen Voraussetzungen der Zisterzienser. So entstanden unter Hinzuziehung einer Schar von Laienbrüdern in rascher Folge die Einrichtung sogenannter Gangrien (landwirtschaftliche Wirtschaftshöfe) mit sehr erfolgreicher Viehzucht. 1177 schenkt Fürst Pribislav dem Kloster die Dörfer Althof, Parkentin, Wilsen, Doberan, Hohenfelde, Stülow, Reddelich und Kröpelin. Fürst Borwin I. fügt diesem Besitzim Jahr 1192 noch die Dörfer Stäbelow, Ivendorf und Brusow hinzu. [65]

Jedoch auf auf diesem Platz „lag kein Segen“, im wahrsten Sinne des Wortes: Die Landesherrin Woizlawa starb ein Jahr nach der Gründung des Klosters und wurde in der kleinen Klosterkirche beigesetzt. Pribislav, ihr Gatte auf der Rückreise aus dem heiligen Land begriffen, starb auf einem Turnier in Lüneburg im Jahre 1178. Ein tragischer Unfall geschehen durch einen Lanzenstich in den Kopf. Es mögen diese Umstände gewesen sein, die unmittelbar darauf im Jahr 1179 zu dem grausamen Vernichtungsschlag auf das Kloster führten. Der unversöhnlich gebliebene Teil kampfbereiter Wenden, angeführt von einem ehemaligen nicht christianisierten Stammesfürsten zerstörte Alt Doberan restlos und 78 Insassen fanden den Märtyrertod.

So heißt es in einer frühen Schrift: Nach dem Tode Pribislav´s, am 30. December 1178, erhoben sich die Wenden noch einmal in schnaubendem Grimme gegen das Christenthum, verwüsteten am 10. November 1179 den jungen Weinberg des Herrn und erschlugen hier zu Alt-Doberan 78 Bewohner des Klosters. Es sollte in diesem Gebiet das letzte Aufbäumen wendischen Widerstandes bleiben.

Die zweite Gründung eines Kloster in Doberan und die Entfaltungskraft der Mönche.

Sieben weitere Jahre vergingen bis eine neue Bruderschaft der Zisterzienser aus dem Hauptkloster Amelungsborn an anderer Stelle einen Neubeginn vornahmen. An der Stelle, etwa 3 Kilometer nördwestlich, wo in alter Zeit die Villa Slavica Doberan lag, war ein geeigneter Platz gefunden und nach Zisterzienserbrauch für die Ankunft des Konvents und der begleitenden Mönche vorbereitet. Um die Wahl des Platzes und die Namensnennung ranken sich einige Legenden: So stieß ein aus der Dickung aufsteigender Schwan (späteres und heutiges Wappentier) einen dem slavischen Wort „dobre“ (gut) ähnlichen Laut aus. Die auf einer Platzsuche befindliche fürstliche Abordnung nimmt dieses Zeichen als Omen an. Außerdem floß der schon erwähnte „Dober“-bach von Süd nach Nord durch das Gebiet und könnte Namensgeber gewesen sein. Gleichviel es war die Entscheidung für die Entstehung eines der bedeutensten europäischen Klöster gefallen. Mit der Gründung dieses Klosters durch die Zisterzienser- Mönche begann die Zeit der großen Fortschritte des Landes.

Von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des Klosters Doberan und vor allem für die rasche Besiedelung war die im Jahr 1218 erteilte Erlaubnis zum Heranführen von Siedlern. Die Freiheit dieser Siedler zur Ausübung jeglicher Handwerke und die anfängliche Steuerfreiheit waren zusätzliche Motivation für den raschen Erfolg.

Im Zuge der Veränderung des neuerworbenen Landes erfolgte eine Umstruktuierung der sehr einfachen, wenig gewinnbringenden wendischen Landwirtschaft. Eine Schub in der Bodenbearbeitung bedeutete der Pflug, den die Siedler einführten und der die Bearbeitung des ertragreicheren schweren Bodens überhaupt erst ermöglichte. Es entstanden neben dem Wirtschafthof des Kloster selbst, in seinem Umfeld einzelne Höfe, sogenannte Gangrien aus den vorhandenen Dörfern. Hier betrieb man eine Art Musterwirtschaft für den Landbau des Mittelalters, mit zweifelloser Ausstrahlung auch auf das kleinbäuerliche Umfeld. Die Dörfer waren Teil des komplexen Systems Zisterzienser-Kloster. Man verstand sich neben dem Ackerbau auf die Viehzucht auf Brunnenbau und Teichwirtschaft, sowie die Fischzucht zur Deckung des Bedarfs an damals sehr strenge gehandhabten Fastenspeisen. Der Obst-und Gartenbau bis hin zum Weinbau und Bienenzucht wurde erfolgreich betrieben. Auf den Gangrien wirtschafteten, also säten, pflügten, düngten und droschen in den frühen Jahren die Laienbrüder selbst. Auch bedienten sie sich bereits Teilen der getauften wendischen Bevölkerung.

So wurde aus der dem Zisterzienserkloster geschenkten Wüstenei und den eifrigen Siedlern ein blühender Landstrich voller deutscher Dörfer. Die zu dieser Zeit vorgefundenen kleinen Wendendörfer lagen weit genug auseinander, um noch zwischen sich die neuen Siedlungen auf zu nehmen. Wendische Dörfer wurden vielfach erweitert und deren Bevölkerung schrittwiese in die Dorfgemeinschaften einbezogen. Generell brachten die Siedler die besseren Methoden eines effektiven Ackerbaus und Viehzucht mit und erreichten zusammen mit dem positiven Einfluss der Mönche entscheidende Verbesserungen des bäuerlichen Lebens.

Auch alle Handwerke, besonders solche, die zur Unterstützung und Ergänzung der Landwirtschaft dem Betrieb von Ziegeleien, Wassermühlen, Schmieden, Webereien Imkerei und Fischzucht dienten, wurden von den Mönchen und den Laienbrüdern beherrscht. Über alldem herrschte die Abtei. In ihr planten, führten und kontrollierten Mönche arbeitsteilig und planmäßig das Geschehen. Die Klöster waren eigenständige funktionierende und gewinnbringende Wirtschaften mit erheblicher Entwicklungskraft.

Für den gleichzeitig im Land wirtschaftenden Adel waren solche Vorbilder Grund genug sich dieser Fähigkeiten zu bedienen, indem man hier und da Mönche auf seinen z.T. maroden Höfen gewinnbringend einsetzte.

Der Bau der Kirchen zur Verbreitung und Festigung des Glaubens

Gern setzte man sie auf einen Hügel der die Umgebung beherrschte. Die Kirchhöfe baute man , wie der Name es sagt, immer in unmittelbar daneben. Zwar galt die Auffassung alles worüber die Glocken gehen ist heilig, trotzdem war der Kirchhof oft ein Ort abergläubischer Scheu für die neugetauften Wenden. Häufig waren die Kirchen mit Vorbedacht an Plätzen errichtet, die den alten Göttern heilig gewesen waren, als weiteres äußeres Zeichen der Größe des neuen Glaubens. Gänzlich anders der Baugrund des Münsters. (Siehe Absatz „Die zweite Gründung des Klosters…“) Dieser Baugrund stellt noch heute außerordentliche Anforderungen an wasserbauliches Ingenieurwissen und wirft mindestens zwei Feststellungen auf. Die Entscheider für den Bauplatz hatten Gewißheit über die Fähigkeiten ihrer Bauleute. Die Symbolkraft der Ereignisse bei der Platzwahl war so stark, daß alle

Das Hauptziel, die Christianisierung wurde gleichzeitig verfolgt. Die Festigung des christlichen Glaubens betrieben die Mönche mit Eifer. Planmäßig brachte man Kirchenbau in den Dörfern voran und Mönche des Klosters waren die ersten Prediger.

Es war zunächst die Einfachheit und nicht der spätere Prunk der entsprechend des Lebensmottos der Zisterzienser auch die Ausstattung der Kirchen bestimmte. Anfänglich in der geläufigen Holzbauweise gefertigt sah man in der Folge häufiger Bauten aus Felsen oder Kombination aus beidem. 1232 wurde die erste Kirche geweiht. Ein bedeutend kleinerer im romanischen Stil erbauter Vorläufer wurde durch Blitzeinwirkung stark beschädigt.. Unter Einbeziehung der verbliebenen Teile dieser Kirche wurde die neue heutige Kirche, das Doberaner Münster, etappenweise in einer Bauzeit von ca 40 Jahren erbaut. Durch die eindeutige Feststellung des Alters der Dachkonstruktion mit dem Jahr 1296, wird von einem Baubeginn ca. 1280 auszugehen sein.

Schon bald nach seiner Stiftung umfasste es einen Bezirk, mit den heutigen Kirchspielen Parkenthin, Rethwisch, Doberan, Steffenshagen Kröpelin. Im 14. Jahrhundert übte die Abtei bereits über neun Kirchen das Patronat aus. So war das älteste Kloster Mecklenburgs und zur glanzvollsten geistlichen Stiftung im Lande geworden. Die Hauptkirche, das Münster des Klosters Doberan mit seiner an kirchlichen und weltlichen Symbolen reichen Ausstattung entwickelte sich zu einem bedeutenden Walfahrtsort in Nordeuropa. Kirchliche und weltliche Macht widerspiegeln die Beisetzungen vieler gekrönter Häupter aus den verschiedensten Linien und legen ihrerseits großes Zeugnis von der kirchlichen und weltlichen Verbundenheit und Einigkeit ab. Neben der baulichen Mächtigkeit war mit dem Kloster und seinem Münster ein beeindruckendes Machtsymbol entstanden.

Betrachten wir die Entstehung und Ausbreitung der Zisterzienserklöster in Europa so ist die rasche Folge auffallend. Gleichzeitig schritten die Kirchengründungen von West nach Ost voran. Das Kloster schickte seine fähigsten Mönche in die Kirchen in denen sie die ersten Priester waren. Die Zahl der Kirchen hatte sich im 13. Jahrhundert sehr vermehrt. Es waren zunächst Gebäude aus Holz, mit Stroh oder Reeddächer oder bestenfalls in der Bauweise des damals moderneren einfachen Fachwerks gefertigt.

Wer waren die Zisterzienser?

Der Zisterzienser-Mönch war eine Zusammensetzung aus Bauer, Ökonom und Geistlichem. Von jeher zeichnet sich der Orden durch Häuslichkeit und Arbeit, durch Beförderung alles Nützlichen und eine weise Ökonomie aus. Das in fürstlicher Hand liegende Bücherabschreiben war den Mönchen nur gegen eine besondere Erlaubnis des General-Kapitels gestattet, ebenso verbieten die ältesten Institutionen von Zisterz, dass die Mönche nicht von fremdem Schweiß und Verpachtung ihrer Güter leben sollten, sie befahlen ihnen vielmehr, ihren Unterhalt durch eigener Hände Arbeit zu beschaffen.

Straff organisiert bildeten die Zisterzienser unter allen Mönchsorden als erste eine förmliche Vereinigung aller ihrer Klöster. Mit anderen Worten sie bündelten ihre Fähigkeiten und pflegten konsequenten Erfahrungsaustausch. Mittel zur Umsetzung dieses Vorhaben waren die Visitationen.

Regelmäßig visitierte das Mutterkloster die Nebenklöster und das General-Capital erhielt und behielt die Aufsicht über das Ganze. – Bald erkannten die herrschenden wendischen Fürsten, wie geeignet der Zisterzienserorden zur Bekehrung ihres heidnischen Landes war und unterstützten die Entwicklung durch großzügige Landschenkungen und weitere Klostergründungen. Im zwölften Jahrhundert wurde es ordentliche Mode, Klöster dieses Ordens zu stiften, ganz besonders in den wendischen Ländern Mecklenburg, der Mark Brandenburg und Pommern. Beispiele für weitere Klostergründungen gibt es inder weiteren Nachbarschaft des Klosters Doberan sind Dargun, Dobbertin oder Rühn. Die Errichtung kleiner und größerer Kirchen geschah in konsequenter rascher Folge in den eben erworbenen Siedlungsgebieten und ermöglichten modern gesprochen, die netzwerkartige Verbreitung und Festigung des christlichen Glaubens.

Das Kloster mehrt seinen Besitz und gewinnt an Bedeutung

Einfluss und Reichtum des Klosters ergänzten einander und waren wohl genutzte Triebkraft des Erfolges. Allerdings war der Wert der Stiftungsgüter nicht so übermäßig groß, sondern wurde den Landesherren erst durch die Mönche nutzbar. Spätestens nach einigen Menschenaltern stand die Kloster geschenkte Wüstenei als ein blühender Landstrich voller christlicher Dörfer da.

Dass die Zisterzienser-Mönche von jeher auf den eigenen Gütern bede- oder zehntfrei lebten, beförderte ihren Trieb nicht wenig. Daneben waren es die baren Erlegnisse aus dem schwunghaften Handel mit allen Produkten und sogar der Zugriff auf Zolleinnahmen aus dem überaus üppig florierenden Herings und Salzhandel.

So besaß es sehr viele Mühlen, Salzquellen, Beteiligung an Leih-und Tauschgeschäften und Privilegien innerhalb und außerhalb seines Amtsbereiches, beispielsweise das allgemeine Strandrecht und den Zugang zu Fang und Transport des Herings. Manche Schuld einiger über ihre Verhältnisse lebenden Schuldner wurde durch Landüberlassung ans Kloster getilgt. Wir sehen, dass die Mönche längst ursprüngliche Tugenden der Einfachheit aufgegeben hatten und sich durchaus gleichzeitig auf Geld und Immobiliengeschäfte verstanden.

In späteren Zeiten gelang es dem Kloster weniger durch Schenkungen, als viel mehr durch eigene Tüchtigkeit zu einer Mehrung des Reichtums zu kommen. Die Schreibkundigkeit und das kaufmännische Wissen sowie gute Kenntnisse im Geldverleih und Beteiligung an Finanzgeschäften brachten zusätzlich hohe Gewinne ein. Die Mönche waren perfekt in der Schreibkunst und der Anfertigung von Urkunden. So widerstanden sie der Versuchung keinesfalls, gelegentlich Manipulationen zum eigenen Vorteil vorzunehmen, die vielfach bewiesen sind. Urkunden, in denen von Schenkungen an das Kloster die Rede ist, sind im Nachhinein so manches Mal manipuliert gewesen.

Die Landesherren erkannten sehr früh die Bedeutung des Klosters für die umfassende Hebung des gesamten Lebensbereiches und ihren eigenen Nutzen und allzeit Förderer auf ganzer Linie

Der Reichtum und die Bedeutung der Doberaner Abtei findet vor allem Ausdruck in den Gebäuden, die in dreieinhalb Jahrhunderten vor der Reformation entstanden und zum Teil bis heute erhalten sind. Der gesamte Klosterbezirk ist von einer 1400 Meter langen Mauer aus dunkelrotem Backstein umgeben. Der Ziegelverband und die Farbe lassen die Entstehung im 13. Jahrhundert erkennen.

Prachtvollste Stiftungen, die noch heute Zeugnis dieser Zeit beachtenswerten geschichtlichen Periode ablegen. Die Zisterzienser Mönche hatten den Christenglauben im Wendenlande begründet und gefestigt, das geistige Leben gefördert und das Kloster Doberan zu einem geistlichen Mittelpunkt über Deutschland hinaus in Nordeuropa werden lassen. aus Dankbarkeit für die Verbindung zwischen der weltlichen und geistlichen Macht wird für immer bekundet durch das W a p p e n d e s F ü r s t e n v o n M e c k l e n b u r g an dem Gewölbe über dem Hochaltare des Münsters.

Auch war es im 13. Jahrhundert die Überführung des Leichnams des unvergessenen Landesfürsten Pribislav aus der Michaeliskrche in Lüneburg nach hier, die das Doberaner Kloster in seiner Bedeutung erhob. Es war zum Hauptkloster aufgestiegen und fortan die Begräbniskirche der Landesfürsten.

Es ist wohl nicht unbescheiden, wenn man mutmaßt dass die Bewohner der Dörfer, die sich fast gleichzeitig um dieses stolze markante Bauwerk ansiedelten, in irgendeiner Weise einbezogen waren. Obwohl die Baustellen dieser Größe zu der Zeit über gut organisierte und speziell ausgebildete Bauleute verfügten, gab es natürlich einen großen Anteil an einfacheren Arbeiten. Weil nur die Bauern über Zugvieh, wie Ochsen und Pferde verfügten, werden die Hand- und Spanndienste in Anspruch genommen worden sein. Daneben boten die klostereigenen Ziegeleien, Wassertechniken, und Fischzuchtanlagen, die Mühlen und Schmieden, die Obstbaum-und Bienenzucht einen immensen Arbeitkräftebedarf. Die besondere Beziehung unseres Dorfnamens zur Glasherstellung ist im Artikel beschriebendurch die Zisterzienser entstanden ihren Vorfahren einen kleinen Teil irgendeiner Mitwirkung an diesem großen Werk einräumen. Die Gesamtleistung des Wirkens der Mönche drückt sich am besten in dem oft zitierten Spruch aus:

Unter dem Krummstab ist gut leben!