Protokollbuch Glashagen Dorf

Das uns vorliegende Protokollbuch für das Dorf wurde am 21. September 1871 eröffnet. Anlaß war die Bildung einer Gemeindeverwaltung unter Vorsitz des Bürgermeisters. Das offizielle für alle Gemeinden des damaligen Großherzogtums Mecklenburg Schwerin verbindliche Dokument war die „Revidierte Gemeinde-Ordnung für die Dominal-Ortschaften.“ vom 29. Juni 1869. Erstmals regierten die Bürgermeister nicht mehr allein. An ihrer Seite standen ab dieser Zeit und für alle Zeiten zunächst vom Amt bestätgte repräsentative Dorfbewohner. Wie man sah setzten sie sich aus Vertretern aller Bewohnergruppen zusammen. Ab 1919 werden alle Vertreter der Gemeinde von allen wahlberechtigten Bürgern zwingend gewählt.

In Glashagen begann die erste „Gruppe“ mit den Bewohnern 1. Erbpächter von Hof I Borgwardt, er war Schulze (Bürgermeister), 2. Herr Methling, er war der Lehrer, 3. Herr Lübbert, er war der Holzwärter, 4. Herr Griese war Erbpächter auf Hof III. 5. Büdner Tamms als Büdnervertreter. Die Gruppe nannte sich Dorfversammlung. [5] Frauen waren von solchen Funktionen noch gesetzlich ausgeschlossen. Erst 1919 erhalten Frauen das aktive und passive Wahlrecht. Trotzdem erschien erst in der DDR-zeit (nach 1945) eine Frau in einer Gemeindevertretung von Glashagen.

1871 Eröffnung des Protokollbuches (Pb.) und des Rechnungsbuches. Das Pb. ist außerordentliches Zeitdokument und erfreulicherweise für unser Dorf erhalten geblieben. Seit der Zeit des Inkrafttretens der o.g. Gemeindeordnung war erstmalig auch eine Armenordnung, und eine Schulordnung verbindlich geworden. (Schulverwaltung und Armenbetreuung waren bislang beim Großherzoglichen Amt Doberan angesiedelt). Weiterhin oblag der neu gebideten Dorfversammlung die Verpachtung der kommunalen Ländereien, die dem nicht landbesitzenden Teil der Dorfbewohner zugute kam. Dass waren alle sog. Einlieger (Mietsleute) die entweder bei den Bauern oder den Büdnern wohnten. Übrigens stellten sie den größten Bevölkerungsteil. Noch eine Aufgabe der Gemeindevertretung war die Bestellung und dörflich vertragliche Bindung von Arzt und Hebamme. Schließlich liefen viele Wohnungsfragen und die Befolgung einer Reihe von zivilrechtlichen Regelungen und Entscheidungen über den Bürgermeister und die weiteren Dorfvertreter an seiner Seite. Das Protokollbuch widerspiegelte vielfältigste solcher Aktivitäten und bezeugt bis heute Zeugnis vom Leben in unserem Dorf unter den wechselvollen gesellschaftlichen Verhältnissen.

Neben dem Protokollbuch wurde ein Rechnungsbuch angelegt, in dem alle finanziellen Bewegungen festgehalten werden mußten. Dies waren vor allem die Einnahmen aus der Verpachtung der gemeindeeigenen Ländereien. Die Ausgaben standen zunächst die Armenfürsorge sowie außergewöhnliche Arzt-und Arzneikosten sowie Krankenhauskosten gegebenenfalls auch Sterbekosten als regelmäßige wiederkehrende Ausgaben ins Buch. Auch die Unterhaltung der Schule war ab 1899 Sache des Dorfes geworden und ein Posten im Rechnungsbuch. Größere gelegentliche Beträge bildeten Landkäufe oder überörtliche Beiträge für den Wegebau oder Anleihen und Bürgschaften zum Landerwerb oder Hausbau einzelner Bürger. Ein besoderes Kapitel bildeten die sogenannten Kriegsanleihen 1914-1918. Es wurde ausnahmslos über alle Einnahmen und Ausgaben öffentlich abgestimmt. Die Kontrolle des Rechnungsbuches wurde bei jeder Sitzung von der Dorfvertretung Glashagens und mindestens einmal jährlich durch das Amt Doberan vorgenommen.

Artikel aktualisiert am 20.02.2021