1702: Herzogliche Verordnung zur Straßenbenutzung

Der Herzog sah sich 1702 genötigt, wegen schlecht befolgter vorheriger Anordnungen, erneut eine solche für den Amtsbereich Doberan und Neubukow zu erlassen und bekannt zu machen. Herrschaftliche Bekanntmachungen wurden damals von der Kirchenkanzel verkündet und an Türen der Kirchen und Ämtern angeschlagen.

Anschlag von 1702

Transkript der Herzoglichen Verordnung von 1702

Von Gottes Gnaden/ Wir Friedrich Wilhelm/ Herzog zu Mecklenburg/ Fürst zu Wenden/ Schwerin und Ratzeburg auch Graff zu Schwerin/ der Lande Rostock und Stargard Herr.

Fügen hiemit nochmahlen/ allen und jeden denen Gegenwärtiges Unser offenes Edict zu Handen kömt/ insonderheit denen in unsern Fürstenthum und Landen/ Reisenden und negoiirenden aus- und Einheimischen Kauff- Handels- und Fuhrleuten/ gnädigst zu wissen/ was maaßen Wir ganz mißfällig vernommen/ daß die großen Land- und Heerstraßen/ und insonderheit diesen unseren Aembtern Dobberan und Neuen-Buckow/ der große Landweg/ durch den Flecken Dobberan/ und die Städte Kröpeliehn und Neu.Buckow gehend/ zu merklicher Defraudir {Betrug, Veruntreuung}- und Verkürzung Unsers Zolles verfahren/ und ungebrauchliche Nebenwege/ so vormahls niemanden/ als den daherum wohnenden Pensionarien {Gutshofpächter} und Eigenthümern/ zu Verfahrung ihres Korns/ auch denen durch passierenden Posten permittieret gewesen/ gesuchet werden/ wodurch dann verursachet wird daß alle Wege und Straßen verdorben und ausgefahren/ auch bey den Landzöllern nicht so viel eingehoben wird/ wodurch die an der großen offenen Land-Straße belegene kostbare Dämme un Stande gehalten und conferviret werden könnte.

Wann aber solche Inconvenientien {Nachteile} Wir in die länge gar nicht mehr geduldet/ sondern nunmehro abgestellet wissen wollen/ und nicht zugeben können/ daß Unsere ernstliche Verordnungen und hierüber in anno 1697, 1699, und 1701 publizierte Edicta straffbewahrer weise eludiret {vermieden} werden.

So werden alle und jede durch obgedachte Aembter von Wißmar nach Rostock/ und vice versâ {in gleicher Weise} passierende Kauff- Handels- und Fuhrleute/ und in genere {Art} alle diejenigen so entweder vor wahren/ oder Pferde und Wagen/ Zoll und Damm-Geld zu erlegen schuldig und gehalten sind, hiemit nochmaln ernstlich verwarnet/ von allen Neben-Wegen und insonderheit von der Passagie über Konow, Retschow und alten Karihn/ bey Verlust Pferde und Wagen gänzlich zu abstinieren {sich enthalten}, die große Ordinaire {gewöhnliche}-Land und Heer-Straße über Dobberan/ Kröpelihn und Neuen-Buckow gebührend zu affterfolgen/ Zoll und Damm-Geld an gewöhnlichen Ohrten richtig zu erlegen/ und also dieser und vorigen Unsern Verordnungen ein völlig Genügen zu leisten/ da im widrigen und ferneren Verwegerungs-Fall/ nicht nur Unsere Beambte/ wie auch Burgermeister und Raht in vorbenannten Aembtern und Städten/ imgleichen Unsere Zöllner/ und in genere alle Unsere Bediente und Befehlshabere/ die Contravenienten {Zuwiderhandelnder, Gesetzesbrecher} anzuhalten/ und zu ernster Bestrafung hieselbst anzumelden/ hiedurch angewiesen/ und von denen so etwa hierunter connivieren {nachsehen} möchten/ Uns die Ahndung hiedurch expresse sol reservieren werden.

Wie den hierunter dem intendirten {beabsichtigten} Zweck desto eher zu erreichen/ Unsere Dobberansche Beambten/ so fort den Schlagbaum zu Retschow repariren lassen/ und so fort die Anstalt machen werden/ daß er hinführo stets geschlossen gehalten/ und niemand anders als die wöchentlich 4. mahl durch passierende königl. Schwedische Post/ und da herumb wohnende Pensionarii und Eigenthümer/ mit ihren Pferd und Wagen/ auch endlich die mit eigen Pferd und Wagen Reisende/ und notorié {gewohnheitsmäßig} nicht Zollbahre Wahren bey sich führende Passagiere/ durch gelassen werden mögen.

Und damit nun diese Unserer abermahlige Verordnung und Verwarnung zu jedermanns notice {Beachtung} gelangen/ und niemand mit der Unwissenheit sich entschuldigen möge/ werden Unsere Beambten zu Dobberan/ Neuen Buckow und Redenthien hiermit gnädigst befehliget/ selbige den nächsten Sonntag nach der Insinuation {ans Herz legen, nahelegen} in den Kirchen ihres anvertrautes Ambtes publiciren/ und folgends an allen Kirchen-Thüren/ Zoll-Steten/ Schulzen-Berichten/ und Krügen/ gewöhnlicher maaßen affigiren {anheften, aushängen} zu lassen. Uhrkundlich unter Unserm Fürstlichen Handzeichen und Innsiegel/ und gegeben auf Unser Residenz und Bestung Schwerin den 19. Aug. 1702

Friedrich Wilhelm

Artikel aktualisiert am 22.03.2020